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Geschichte des Materialismus und Kritik seiner Bedeutung in der Gegenwart / von Friedrich Albert Lange
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Der Materialismus im Alterthum.

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wir niclit durchschauen, lediglich der Kürze wegen, also ganzunphilosophisch, oder wir gehen von einem einseitigen Standpunktaus, wir behaupten dem Teleologeu gegenüber die Zufälligkeit desGeschehens, um nur die Zwecke los zu werden, während wirdieselbe Zufälligkeit wieder aufgeben, sobald vom Satze des zureichen-den Grundes die ltede ist. —

Blicken wir nun auf das System Demokrits zurück, so findenwir bei ihm diejenige naturwissenschaftliche Hypothese, welche nochbis auf den heutigen Tag von der empirischen Wissenschaft als diemindestens bequemste betrachtet wird, deren Kritik wir daher bis indie Besprechung anderer Theorien versparen. Wir finden bei ihmden Satz der Aequivalenz alles Seienden, den unsere Zeit noch zubeweisen beschäftigt ist, axiomatisch vorausgesetzt; wir finden endlichin der entschiedenen Partheinalnne für die Causalität wider die Te-leologie die erste Grundbedingung alles erfolgreichen Naturstudiums.

Merkwürdig ist, dass Demokrit, der Materialist, vor dem reinstenFormalisten des Alterthums, Pythagoras, der das Wesen der Dingoeinzig in der Zahl fand, eine grosse Hochachtung gehabt haben soll.Die Pythagoräer haben bekanntlich auf dem Felde der Akustik undMusik, wo es sich um Zahlenverhältnisse handelte, die frühesten undwichtigsten Entdeckungen gemacht.

Die Ethik Demokrits war höchst einfach, er setzte den Zweckdes Handelns in die eveaib) oder die gute Beschaffenheit des Gemüthes;eine etwas mannhaftere Form der späteren Iledonik. Uebrigens fieldas Hauptgewicht seines Wirkens und seiner literarischen Tlnitigkeit,von der leider nichts erhalten ist, auf das Gebiet der Naturwissen-schaften, Mathematik und Musik, Ethnographie und verschiedene prak-tische Zweige. Seine ausgedehnte und in ihrer Art einzige Gelehr-samkeit wird im Alterthum einmüthig gerühmt.

Namentlich soll er auch bedeutende medicinische Kenntnisse be-sessen haben, aber Alles was uns darüber mitgetheilt wird ist un-sicher und mythisch. So ist es denn auch nicht mehr als eine Fabel,die vielleicht auf einigem Grunde beruht, vielleicht auch gar nicht, wasman erzählt von seinem Zusammentreffen mit Hippokrates. Dennochist diese Erfindung, wenn es eine ist, keine der miissigen: sie drücktwie so manche Fabel des Alterthums das Bewusstsein eines innerenVerhältnisses aus, der Zusammengehörigkeit beider Männer nach Zielund Bedeutung ihres Strebens.

Hippokrates aus der Insel Kos entstammte einer Familie von