ZWEITER ABSCHNITT.
Die neueren Naturwissenschaften.
I. Der Materialismus und die exacte Forschung.
Der Freiherr von Liebig fertigt die Materialisten als Di-lettanten ab (Chem. Br. 4. Aufl. 23. Brief); gewiss ein hartes Wortfür Männer, welche sich auf die Exactheit der Naturforschung so vielzu gute thun, und welche zum grössten Theil ihre metaphysischenHirngespinnste für empirisch bewiesene Thatsachen ansehen. Siekönnen sich aber damit trösten, dass das, was Liebig Dilettantismuszu nennen beliebt, der neueren Naturforschung überhaupt in den wei-testen Kreisen eigen ist. Unklarheit über die Entwicklungsgeschichteder eigenen Wissenschaft, Verwechslung von Thatsachen, Hypothesenund subjectiv.en Einfällen, Schwören auf theoretische Dogmen von derzweifelhaftesten Natur, leidenschaftliche Ungeduld in der Constructionvon Theorien: das sind Uebelstände, welche sich, zumal in Deutsch-land, der Naturforschung noch beständig als Bleigewichte anhängenund die gewaltige Kraft ihres Adlerfluges hemmen und lähmen. Esist mit einem Worte der Mangel an philosophischer Bildung,welchen man den Materialisten mit Unrecht inbesondere vorwirft,während er unsern deutschen Naturforschern mit wenigen Ausnahmenim Ganzen gebührt.
Hier werden nun die einen ausrufen, dass ja bekanntlich grade diePhilosophie in Deutschland die Naturforschung verdorben habe; dieandern werden darauf hinweisen, dass ja in England und Frankreichman ohne Philosophie so weit gekommen sei. Viele, namentlich