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Geschichte des Materialismus und Kritik seiner Bedeutung in der Gegenwart / von Friedrich Albert Lange
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Erstes Buch. Erster Abschnitt.

der diesem Streben vorläufig ein Ziel setzte, und man kann sagen,dass die Herstellung der Wissenschaften zunächst eine Herstellungder alexandrinischen Principien war.

V. Der Epikureismus in Rom.

Es war aber unterdessen ein neues Volk auf den Schauplatzder Geschichte getreten. Rom schlägt die Nationen in seine Fesselnund wird der Mittelpunkt aller neuen Entwickelungen.

Unter allen Völkern des Altertlmms stand vielleicht keines vonHaus aus materialistischen Anschauungen ferner als das der Römer.Ihre Religion wurzelte tief im Aberglauben, ihr ganzes Staatslebenwar von abergläubischen Formeln eingeschränkt. Die ererbten Sittenwurden mit eigensinniger Starrheit festgehalten, Kunst und Wissen-schaft hatten wenig Reize für die Römer, die Vertiefung in das Wesender Natur noch weniger. Die praktische Richtung ihres Lebensherrschte über jede andere, aber auch sie war nicht materialistisch,sondern durchweg spiritualistisch. Herrschaft ging ihnen über Reich-thum, Ruhm Uber Wohlbefinden, ein Triumph über Alles. Ihre Tugen-den waren nicht die der Friedensliebe, des unternehmenden Ivunst-fleisses, der Gerechtigkeit, sondern die des Mutlies, der Ausdauer,der Massigkeit. Die Laster der Römer waren ursprünglich nichtUeppigkeit und Genusssucht, sondern Härte, Grausamkeit und Treu-losigkeit. Das Talent der Organisation in Verbindung mit jenemkriegerischen Charakter hatte die Nation gross gemacht und sie warsich dessen mit Stolz bewusst. Jahrhunderte lang dauerte seit ihrerersten Berührung mit den Griechen die Abneigung, die aus der Ver-schiedenheit der Nationen hervorging. Griechische Kunst und Lite-ratur drangen in Rom erst nach der Besiegung Hannibals allmähligein, aber gleichzeitig auch Luxus und Ueppigkeit und die Schwärmereiund Unsittlichkeit asiatischer und afrikanischer Völkerschaften. Diebesiegten Nationen drängten sich in ihre neue Hauptstadt und be-reiteten hier eine Mischung aller Elemente des alten Völkerlebensvor, während die Grossen mehr und mehr an Bildung und feineremLebensgenuss Geschmack fanden. Feldherren und Statthalter raubtendie Werke griechischer Kunst zusammen, allein die Betrachtung bliebeine äusserliehe; Schulen griechischer Philosophen und Redner wurden