Die neuere Philosophie.
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Kampf führt, mögen sie nun nach Descartes, Spinoza, Leibnitz,Wolff oder nach dem alten Aristoteles heissen, ganz denselbenWiderspruch in sich tragen und ausserdem vielleicht noch ein Dutzendschlimmere. Bei der Abrechnung mit dem Materialismus kommt Alleszu Tage. In der That ist es fast nur die ungemeine Fasslichkeit undAnschaulichkeit des Materialismus, welche diesen auf den ersten Blickneben der gepanzerten Schulphilosophie so schwach erscheinen lässt.Wir sehen hier ganz davon ab, welche Vorzüge die übrigen Systemesonst etwa noch durch ihre Tiefsinnigkeit, durch ihre Verwandtschaftmit Kunst, Religion und Poesie, durch ahnungsvolle Geistesblitze undanregendes Gedankenspiel haben mögen. An solchen Schätzen ist derMaterialismus arm; aber er ist in der That ebenso arm an jenen faust-dicken Trugschlüssen oder haarfeinen Erschleichungen, welche denübrigen Systemen zu ihren vermeintlichen Wahrheiten verhelfen. ImKampf mit dem Materialismus, wo es sich nur um Beweisen und Wider-legen handelt, können alle Vorzüge des Tiefsinns nichts helfen und dieverborgenen Widersprüche kommen zu Tage.
Nun haben wir aber ein Princip unter mancherlei Formen kennengelernt, gegen welches der Materialismus ohne Waffen ist, und welchesin der That über diese Weltanschauung hinaus zu einer höheren Be- •trachtung der Dinge führt. Gleich beim Eingang unserer Arbeit trat unsdies Princip entgegen, indem wir Protagoras über Demokrit hin-wegschreiten sehen. Und wieder in der letzten Periode, die wir be-handelten, finden wir zwei Männer, verschieden an Nation, Denkweise,Beruf, Glauben und Character, die doch beide auf demselben Punktden Boden des Materialismus verlassen: den Bischof Berkley und denMathematiker D’Alembert. Jener sah die ganze Erscheinungsweltfür eine einzige grosse Sinnestäuschung an, dieser zweifelte, dass esüberhaupt etwas ausser uns gebe, was dem, was wir zu sehen glauben,entspricht. Wir haben gesehen, wie Holbacli sich über Berkley ärgert,ohne ihn widerlegen zu können.
Es giebt ein Gebiet der exacten Naturforschung, welches unsereheutigen Materialisten verhindert, sich von dem Zweifel an der Wirk-lichkeit der Erscheinungswelt ärgerlich abzuwenden: dies ist die Phy-siologie der Sinnesorgane. Die erstaunlichen Fortschritte aufdiesem Gebiete, deren wir später noch zu gedenken haben, scheinenganz dazu angethan, den alten Satz des Protagoras, dass der Menschdas Maass der Dinge ist, zu erhärten. Wenn es erst erwiesen ist, dassdie Qualität unserer Sinneswahrnehmungen ganz und gar von der Be-