Die neuere Philosophie.
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überhaupt. Sie ist meist nicht ein unbewusst gewonnener Erfahrungs-satz, sondern ein Satz, dessen Nothwendigkeit durch die physisch-psychische Organisation des Menschen vor jeder besondern Erfahrunggegeben ist, und der deshalb gleich bei der ersten Erfahrung ohne Ver-mittlung der Inductiou hervortritt; der jedoch mit derselben Nothwen-digkeit, kraft tieferliegender Begriffe a priori, umgeworfen wird, sobaldeine gewisse Reihe von Erfahrungen diesen tieferliegenden Begriffendas Uebergewicht gegeben hat.
Der Metaphysiker müsste nun die bleibenden und der mensch-lichen Natur wesentlich anhaftenden Begriffe a priori von den ver-gänglichen, nur einer gewissen Entwicklungsstufe entsprechenden, unter-scheiden können, obwohl beide Arten der Erkenntniss a priori in gleicherWeise mit dem Bewusstsein der Nothwendigkeit verbunden sind. Dazukann er sich aber nicht wieder eines Satzes a priori und sonach auchnicht des sogenannten reinen Denkens bedienen, eben weil es zweifelhaftist, ob die Grundsätze desselben bleibenden Werth haben oder nicht.Wir sind also in der Aufführung und Prüfung der allgemeinen Sätze,welche nicht aus der Erfahrung stammen, lediglich auf die gewöhnlichenMittel der Wissenschaft beschrankt; wir können darüber nur wahr-scheinliche Sätze aufstellen, ob die Begriffe und Denkformen, welchewir jetzt ohne allen Beweis als wahr anuehmen müssen, aus der bleiben-den Natur des Menschen stammen oder nicht; ob sie mit anderen Wortendie wahren Stammbegriffe aller menschlichen Erkenntniss sind, oder obsie sich einmal als „Irrthümer” heraussteilen werden.
Es kann scheinen, dem System Kants diametral entgegengesetztzu sein, wenn wir auf diese Weise die Metaphysik selbst zu einer in-ductiven Wissenschaft machen und die Gültigkeit derjenigen Erkennt-nisse, welche mit dem Bewusstsein der Nothwendigkeit verbundensind, nach Wahrscheinlichkeitsgraden abstufen. Man darf jedoch nievergessen, dass auch in Kants System die Erkenntnisse a priori keines-wegs völlig absolute Wahrheiten sind; dass er sie vielmehr nurfür nothwendige Denkformen solcher Geister ansieht, die eine dermenschlichen ähnliche Natur haben. Sofern diese Erkenntnisse allermenschlichen Erfahrung bestimmend zu Grunde liegen, sind sie jedenfallsobjectiver als irgend welche andere Sätze und Begriffe; sie habenfür denMenschen Realität, weil sein ganzer Erkenntnissinhaltauf ihnen ruht; allein, da sie nichts weniger sind, als Dinge an sichoder als absolut gültige Formen der Dinge aif sich, so müssen noth-wendig auch Wesen denkbar sein, für welche eine der menschlichen