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Zweites Bach. Zweiter Abschnitt.
äusserungen, soweit aus ihnen ein Schluss auf die Natur und denCharakter des Menschen möglich ist. Der klarste Beweis dafür istdas Bestehen einer Thierpsychologie, deren Material man dochnicht gut durch Beobachtung mittelst des „inneren Sinnes“ aufbringenkann. Hier, wo die äussere Beobachtung uns zunächst nur Bewe-gungen, Geberden, Handlungen zeigt, deren Deutung dem Irrthumunterliegt, lässt sich dennoch ein vergleichsweise sehr exaktes Ver-fahren durchführen, da man das Thier leicht Experimenten aussetzenund in Lagen bringen kann, welche die genaueste Beobachtung jederneuen Regung und die willkürliche Wiederholung oder Unterlassungjedes Reizes zu einer psychischen Thätigkeit möglich machen. Da-durch wird jene Grundbedingung alles Exakten gegeben, nach wel-cher der Irrthum nicht etwa unbedingt vermieden, wohl aber durchdie Methode unschädlich gemacht werden kann. Ein genau beschrie-benes Verfahren mit einem genau beschriebenen Thier kann immerwiederholt werden, wodurch die Deutung, wenn sie etwa an variableNebenumstände ankntipft, sofort korrigirt und jedenfalls von demEinfluss persönlicher Vorurtheile, die bei der sogenannten Selbst-beobachtung eine so grosse Rolle spielen, gründlich geläutert wird.Haben wir nun auch noch kein System der Thierpsychologie, sohaben wir doch die Anfänge von Beobachtungen, die an Genauigkeitund Ergiebigkeit weit über den Standpunkt eines Reimarus undScheitUn hinausführen. Die immer grössere Verbreitung der zoolo-gischen Gärten unterstützt diese Studien, und wie sehr auch dasfreie Wesen der Thiere in Wald und Feld sich vom Zustande derGefangenschaft unterscheiden mag, so ist doch eine auf den letzterenZustand gegründete exakte Beobachtung deshalb nicht minder werth-voll, wo es sich um die Gewinnung allgemeiner Sätze handelt. Fürdie Fragen des Materialismus oder Idealismus wird sich übrigensvielleicht späterhin, der interessanteste Stoff da finden, wo manihn bisher am wenigsten sucht: in der Beobachtung der niederenThiere in Beziehung auf ihre Sinneswahrnehmungen. Schon Mole-schott hat ja darauf hingewiesen, dass ein Räderthier mit einemAuge, das nur Hornhaut hat, andere Bilder von den Gegenständenaufnehmen muss, als die Spinne, die auch Linse und Glaskörper be-sitzt. So sehr wir in der Kritik des Zusammenhangs jener Stelleeine klare Vorstellung von dem Verhältniss des Objektes zum Sub-jekt vermissten, so gewiss ist doch eben diese Bemerkung von Be-deutung; ja, es ist nicht unwahrscheinlich, dass sich hier in einem