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Geschichte des Materialismus und Kritik seiner Bedeutung in der Gegenwart / von Friedrich Albert Lange
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479
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Die neueren Naturwissenschaften.

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aus der Moralstatistik schöpfen kann, schon von Kant eingeräumt istund alles Uebrige im Voraus zurückgewiesen, so bleibt es dennochfür die praktische Geltung einer materialistischen Zeitrichtung gegen-über dem Idealismus keineswegs gleichgültig, ob die Moralstatistikund, wie wir wünschen, die gesammte Statistik, in den Vordergrundanthropologischer Studien gerückt wird, oder nicht. Denn die Moral-statistik richtet den Blick nach Aussen auf die wirklich messbarenFakta des Lebens, während die deutsche Philosophie, trotz ihrerKlarheit über die Nichtigkeit der alten Freiheitslehre, ihren Blicknoch immer gern nach Innen, auf die Thatsachen des Bewusstseinsrichtet. Nur mit dem ersteren Verfahren jedoch darf die Wissen-schaft hoffen, allmählig Errungenschaften von dauerndem Werthe zubekommen. ,

Freilich müssen dabei die Methoden noch ungleich feiner undnamentlich die Schlussfolgerungen ungleich behutsamer werden, alssie durch Quetelet geworden sind, und man kann in dieser Hinsichtdie Moralstatistik als einen der feinsten Prüfsteine- vorurtheilsfreienDenkens betrachten. So gilt es z. B. noch immer als Axiom, dassdie Zahl der verbrecherischen Handlungen, welche in einem Landejährlich Vorkommen, als ein Maassstab der Sittlichkeit zu betrachtensei. Nichts kann verkehrter sein, sobald man einen Begriff derSittlichkeit im Auge hat, welcher sich einigermassen über das Principkluger Vermeidung der Strafen erhebt. Von vornherein schon müssteman mindestens, um eine der Sittlichkeit proportionale Zahl zu finden,die Zahl der strafbaren Handlungen dividiren durch die Zahl derGelegenheiten oder Versuchungen zu strafbaren Handlungen; es istganz selbstverständlich, dass eine gewisse Zahl von Wechselfälschungenin einem Bezirk mit lebhaftem Wechselverkehr nicht dieselbe Bedeutunghat, wie dieselbe Zahl in einem gleich grossen Bezirk, dessen Wechsel-verkehr um die Hälfte geringer ist. Die Kriminalstatistik summirtaber nur die absolute Zahl der Fälle, und wo sie sich zu Verhältniss-zahlen versteigt, nimmt sie höchstens die Bevölkerungszahl als Maass-stab und nicht die Zahl der Handlungen oder Geschäfte, aus welchendurch Missbrauch Verbrechen hervoi'gehen können. Für manche Artenvon Vergehungen ist aber auch der passende Nenner zur Herstellungeiner richtigen Verhältnisszahl gar nicht zu finden, und doch bestehteine Verschiedenheit der ganzen moralischen Entwicklung zwischenden Bevölkerungsgruppen, die man vergleichen möchte, bei welchergar nicht daran zu denken ist, dass die auf den Kopf berechnete