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Geschichte des Materialismus und Kritik seiner Bedeutung in der Gegenwart / von Friedrich Albert Lange
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Der ethische Materialismus und die Religion.

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den Privatvortlieil gegenüber der Unterdrückung des Egoismus derMehrzahl durch den stärkeren Egoismus der Minderzahl. Es ist nichtetwa die väterliche Fürsorge, die in früheren Zeiten den Rang ein-nahm, den jetzt die freie Concurrenz einnimmt, sondern das Privile-gium, die Ausbeutung, der Gegensatz von H'err und Knecht, Diewenigen Fälle, in welchen die frühere gesellschaftliche Ordnung dasWohlwollen edler Regenten oder die Intelligenz bedeutender Volks-freunde zur Geltung kommen liess, haben sehr schöne Resultate er-geben. Man darf nur an Colbert erinnern, an dessen erfolgreicheThätigkeit nicht umsonst der schutzzöllnerische Carey wieder an-kniipft. Man muss stets bedenken, dass wir eben bisher nur denGegensatz herrschender Dynasten-Interessen gegen das freigegebnePrivat-Interesse kennen, aber nicht einen reinen Gegensatz zwischeneinem egoistischen Princip und dem des Gemeinsinns. Gehen wiraber auf die besseren Zeiten der Republiken des Mittelalters und desAlterthums zurück, so sehen wir da den Gemeinsinn zwar lebendig, aberin so engen Kreisen, dass eine Vergleichung mit der Gegenwart kaummöglich ist. Und dennoch ergiebt selbst eine so mangelhafte Ver-gleichung, dass der tiefe Zug von Missvergnügen, welcher die Ge-genwart durchzieht, sich in keinem Gemeinwesen findet, in welchemjeder Einzelne seinen Egoismus im Hinblick auf die gemeinsamenAngelegenheiten im Zaume hält.

Versuchen wir, die Berechtigung der Lehre von der Harmonieder Interessen einer direkten Prüfung zu unterwerfen, so müssen wirzur Vereinfachung der Frage zunächst eine Republik gleich befähigterund unter gleichen Verhältnissen wirkender Individuen annehmen,welche Alle mit ihrer ganzen Kraft soviel als möglich zu erwerbenstreben. Es versteht sich von selbst, dass diese mit einem Tlieilihrer Kraft einander hemmen werden, mit einem andern Theile da-gegen Güter produciren, welche der Gesammtheit zu gute kommen.Eine Aufhebung der Hemmung ist nur auf zwei Wegen denkbar:entweder wenn Alle nur für die Gesammtheit erwerben, oder wennjedes einzelne Individuum ohne jede Concurrenz seinen getrenntenErwerbskreis hat. Sobald es Vorkommen kann, dass zwei oder meh-rere Individuen dasselbe Objekt zu erwerben oder für den Erwerbzu benutzen streben, wird die Hemmung da sein.

Wenden wir diese Abstraktion auf menschliche Verhältnisse an,so sehen wir zunächst den Keim zweier Ideen: der des Commu-nismus und der des Privateigenthums.