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Avignon aufsuchte, bewahrte ihm uach langen Jahren noch ein freundliches und dankbares Andenken.*)Gern hätte er noch den Märtyrer seiner Ueberzeugung, den ehrwürdigen Onlileo Oalilei und den gelehrtenJesuiten Scheiner**) in Italien persönlich kennen lernen mögen; doch der sehnliche Wunsch der Eltern,die außer ihm keinen Sohn mehr hatten, da der dritte bereits 1630 gestorben war, ihn möglichst baldwieder bei sich zu sehen, vereitelte diesen Plan. Den Willen der Eltern ehrend, kehrte er auf dem kürze-sten Wege durch die Schweiz und Deutschland nach Preußen zurück und langte nach fast vierjähriger Ab-wesenheit von der Heimath im Jahre 1634, erstarkt an Körper und Geist, glücklich im Vaterhaufewieder an.
Von da an will es aber den Anschein gewinnen, als ob die Liebe zur Astronomie in dem jungenManne gänzlich erstorben wäre. Er wirft sich mit Eifer auf das Studium der Verfassung, der Rechteund Privilegien seiner Vaterstadt; er lebt und webt in dem umfänglichen Geschäfte seines alternden Va-ters; er gelangt allmälig zu der nüchternen Anschauung, daß die Mathematik allein ihren Mann nichternähre; er vermählt sich, nicht viel älter als 24 Jahre am 21. Mai 1635 mit Jungfrau Katharina,der Tochter des reichen Danziger Kaufmanns, Johann Rebeschke; ja endlich 1636 läßt er sich sogarals Mitglied in die löbliche Brauerzunft aufnehmen. Nach diesen Vorgängen scheint er für die Wissen-schaft verloren zu sein. Doch unerwartet und plötzlich trat eine Wendung der Dinge ein. Der würdigePeter Krüger ging nämlich im Mai 1639 seiner Auflösung entgegen. Wenige Tage vor seinem Todebesuchte Höwelcke noch einmal seinen Freund und ehemaligen Lehrer, und hierbei geschah es, daß dieserihn inständig bat, sich doch wieder, nachdem er einen so tüchtigen Grund in der Mathematik gelegt hätte,ernstlich mit der Astronomie zu beschäftigen und den Anfang sogleich mit der Beobachtung der den 1.Juni eintretenden Sonnenfinsterniß zu machen, da ihm selbst nicht mehr vergönnt wäre, dies zn thun.***)Diese Bitte des Sterbenden machte einen so tiefen Eindruck auf den jungen Mann, daß er sofort denEntschluß faßte, soviel er vermöchte, zur Förderung der himmlischen Wissenschaft das Seine beizutragen.Und er hat getreulich das Versprechen, das er am Sterbelager des Freundes abgelegt, gehalten, bis ihnnach langen Jahren der Tod wieder mit dem unvergeßlichen Lehrer vereinte.
Mit der ihm eignen Entschiedenheit werden sofort die Veranstaltungen getroffen, seinen Ent-schluß zur Ausführung zu bringen. Er nimmt zunächst das Glasschleifen vor, h) schleift und polirt miteigner Hand die Linsen zu Fernröhren, verfertigt einige brauchbare Quadranten und Sextanten, construirtSonnenuhren, richtet das erste Beobachtungszimmer ein und nun widmet er alle Zeit, die er seinenBerufsgeschäften abgewinnen kann, dem Studium astronomischer Schriften und der Beobachtung des
*) 8»lutem quoquv llliicivkiksime coolern» incl^to Ilvvelio, quem nute XXXII anno.« ^vcnione »micum bnlaiiol<!ciosis»imum, ckum lrontiüpicium libri, qui inscriptur: 1'rimitiae 6nomico-6ntoptricao, pro »uo in inc mcaque nlkcclu, neriincickcrc non cst ckccki^nntns. So schrieb Kircher von Rom aus 1 665 an Imbienietr.. Dbeatruin Oniicticum p. 75L.
Höwelcke hatte also, wie aus diesen Zeilen ersichtlich, durch seine Kunst Gelegenheit gehabt, dem Gastfreunde auf dieerwünschteste Weise seinen Dank abzustatten.
**) Christoph Scheiner , geb. IL7S zu Wald unweit Mindelheim , trat IL95 in den Jesuitenorden, s l650. Berühmtals Mathematiker.
Iterum, itcrumquv Do circa mcum cx bac vita »ecesnum »crio ackbortor, ro^oque ex isko quickem propcnsis»imoullcctu, quo 1?e, »tuckinquc »«Irvnomica »empor »um complexu», ut in posterum aliquant» ackbue ulaerius, innsoriquc enru,qnam bacrenus „»tronomme ktuckiu, quibu» »lü»que rebn» nck en pertinentibu» bauck parum temporis con»»m»isti, excolere»uncipias; minimo ckubitans, quin De nunqunw ist!»» rei poeniteat. ?rnel»t. ack Xlacü. I p. 41.
4) Höwelcke schreibt IK6I einem gewissen Rabener, daß in Danzig nicht ein einziges gutes TeleScop zu kaufenwäre; man müsse sich daher, wenn man cS sich nicht selbst machen könne, nach den Niederlanden , nach Rom , oder Augsburg wenden, von wo man dergleichen, aber für sehr hohen Preis erhalten könne. Zach. Monatl. Corresp. Juli 1803. (Der Briefist einer von den wenigen in deutscher Sprache geschriebenen, welche sich noch vorfinden.)
Welch« Mühe dieses Glasschleife» Höwelcken gekostet haben muß, begreift man, wenn man den unvollkommenen Appa-rat betrachtet, den er in seiner 8elenoxrapt>ie zu S. K selbst abgebildet hat.