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Programm des Gymnasiums und der Realschule in Zittau : womit zu den am 14., 16., und 17. März d.J. im Zeichensaale der Anstalten abzuhaltenden Prüfungen ergebenst einladet Heinrich Julius Kämmel ; 1. Johannes Hevelius. Ein Beitrag zur Geschichte der Astronomie des 17. Jahrhunderts vom Gymnasiallehrer G.A. Seidemann. 2. Jahresbericht des Directors
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Himmels, in dem frommen Glauben, daß Gott , der diesen Eifer in ihm geweckt habe, ihm auch die Kraftverleihen werde, alle Schwierigkeiten glücklich zu überwinden.

Nicht wenig ward er in seinen Studien bald dadurch gefördert, daß seine wackere Gattin nebengewissenhafter Besorgung der häuslichen Geschäfte, die jeder Hausfrau an und für sich zukommen, sich auchmehr und mehr der Menge mit der großartigen Brauerei verbundenen kleinlichen und peinlichen Besor-gungen unterzog, so daß er selbst im Grunde nur die Oberaufsicht zu führen hatte.*) Der große Zeit-gewinn, der ihm hierdurch erwuchs, und den er wohl zu verwerthen wußte, wurde freilich einigermaßendadurch wieder verringert, daß er 1641 in den Schöppenstuhl der Alten-Stadt gewählt wurde. Weit grö-ßere Beschränkung seiner Mußezeit erfuhr er aber, als ihm 1651 die hohe Ehre zu Theil geworden war,in das Rathscollegium der Alten-Stadt aufgenommen worden zu sein, zumal in den Zähren, in welchener den Vorsitz führte, was 10 Mal geschah, oder das Richteramt, was 6 Mal der Fall war, zu verwaltenhatte.**) Aber fast in der Maße, wie seine Zeit beschränkter wurde, wuchs der Eifer für seine Lieblingsbe-schäftigung, erweiterten sich seine astronomischen Studien, mehrten sich die davon abhängigen Arbeiten,wie Zeichnen, Knpferstechen, Korrespondenz und das Ediren seiner Werke. ES ist in der That zu ver-wundern, wie der Geist bei den unausgesetzten Anstrengungen seine Spannkraft behalten, der Körper, demselten in der Nacht die für unerläßlich gehaltene Ruhe gegönnt wurde, zu den Arbeiten des Tages immerwieder geschickt sein konnte und zwar nahe an 50 Jahre lang.

Höwelcke ist mit Ausnahme der letzten Krankheit, die seinen Tod herbeiführte, nur ein einzigesMal seit seinen Kinderjahren, nämlich 1649 lebensgefährlich erkrankt. Selbst die natürlichen Pocken foch-ten ihn nicht an, obgleich er Tag und Nacht nicht von dem Bett der daran zum Tode erkrankten zweitengeliebten Gattin wich.***)

Höwelcke war jetzt durch seine Schriften der gesummten gelehrten Welt rühmlichst bekannt gewor-den, und seine Sternwarte ward mit Recht, bevor die zu Paris und die zu Greenwich , jene 1667, diese1676 gegründet wurden, als die vollkommenste in ganz Europa bewundert. Hieraus erklärt sich leicht,wie dem Danziger Rathsherrn die große Auszeichnung zu Theil werden konnte, daß der König von Polen,Johann II. Casimir und seine einflußreiche Gemahlin Marie Ludovika von Gonzaga am 29. Januar 1660unfern Höwelcke in seinem Hause aufsuchten und seinen trefflichen astronomischen Apparat in Augenscheinnahmen. Nicht lange nachher, während der Friedensunterhandlungen zu Oliva, erlebte Höwelcke abermalsdie Freude, sein Observatorium von mehreren der zu Oliva tagenden hohen Herrschaften, von Gesandten,Bevollmächtigten, deren Attaches und von hochgestellten Militärs bewundert zu sehen. Auch das nächsteJahr führte unserm Höwelcke einen, wenn auch nicht so glänzenden, doch darum nicht minder ehrendenBesuch zu, indem sein Freund Louilluuä die weite Reise von Paris nach Danzig nicht gescheut hatte,blos um die trefflichen Instrumente zu sehen und die Beobachtungsmethode seines Freundes kennenzu lernen.

*) Bei gewissen Geschäften lieh er sich aber, wie Lengnich iin 6. Briefe berichtet, durchaus nicht vertreten. Soging er in eigner Person, selbst als RatbSherr noch, die Schlüssel unter dem Mantel »ach dem Altstädtischen Nathhause, demLagerplatze seines Jopenbierö, t) das durch holländische Schiffe bis nach Ostindien gelangte, wann dasselbe verlade» wurde, umetwaige Verfälschung der Waare oder sonstige Bevortheilung seiner Kunden zu verhüte». Vrgl. Bernoulli Reisen durch Bran­ denburg u. s. w. Tbl. 2.

t) Verstümmelte Benennung für Schepenbier, so genannt nach dem Schbpsgefäß, Schippe. Schuppe, mit dem daS heiße Wasser üderdas Malz gegossen wurde. Diese» Bier wird von IS7S an bis auf den heutigen Tag von dem besonderen Gewerbe der Schope» oder Schuppenbraner inDanzig gebraue». Hirsch. DanzigS Handels- und Gewcrbigeschichte. Leipz. ISLS. S. L0».

**) Seit dieser Zeit führt er den Titel Konsul-, was das Mißverständniß veranlaßt hat, er wäre Bürgermeistergewesen-, die Danziger Bürgermeister hießen aberI'ruoeouüuleu".

Die Freude, den Sohn in den Rath gewählt zu sehen, erlebte der Vater nicht, da er bereits IK4S gestorben war,wohl aber die Mutter, die dem Gatten erst >664 im Tode folgte.

***) Bernoulli Reisen rc. Thl. >.