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Allein gerade ein Jahr nach diesen so glücklich verlebten Wochen, sollte unsern Höwelcke ein rechtschwerer Verlust betreffen. Am 11. März 1662 starb ihm die treue Lebensgefährtin, mit der er fast 27Jahre in höchst zufriedener Ehe gelebt hatte, deren Glück kaum einmal der Umstand getrübt hatte, daßsie kinderlos geblieben war. Auf einmal lag nun wieder die ganze Wucht der häuslichen und geschäftli-chen Sorgen allein auf seinen Schultern, die solcher Last längst entwöhnt waren. Es blieb dem schwergeprüften Manne, der mit fremden Leuten nicht wirthschaften wollte und, ohne leicht möglichen, großenpekuniären Verlust, auch nicht konnte, kaum eine andere Wahl übrig, als entweder sein Geschäft zu ver-äußern, oder seinen astronomischen Studien zu entsagen, — oder eine zweite eheliche Verbindung einzu-gehen. Er entschloß sich, obgleich er bereits das 51. Jahr überschritten hatte, zu dem Letzteren. SeineWahl fiel auf die liebliche, schöne, 16jährige Elisabeth Koopmann , die Tochter eines angesehenen Handels-herrn in Danzig. *) Ungeachtet der großen Ungleichheit im Alter und der anfänglichen Unerfahrenheitder jungen Frau seiner so großen Haushaltung gegenüber, scheint Höwelcke doch keineswegs Ursache gehabtzu haben, seine Wahl zu bereuen. Die Anmuth und Munterkeit des jungen Wesens verjüngte den al-ternden Mann, ihre Entschiedenheit und Anstelligkeit imponirte den Dienstleuten, und bald sah der Ge-mahl mit Freuden, daß auch sie ihm, wie seine erste Gattin, gern und willig die Last des Haushaltesund des Geschäftsverkehrs abnahm. Ja, alle seine Erwartungen waren übertreffen, als er inne ward, wiewillig, wie geschickt und wie zuverlässig sie ihm als Gehülfin auf seiner Sternwarte zur Seite stand.**)Als eine große Auszeichnung durste es Höwelcke ansehen, daß er durch Vermittelung des MinistersEolbert von I^miis XIV. in die Liste derjenigen Gelehrten eingetragen ward, welche eine jährliche Pen-sion erhielten. Wie hoch sich dieselbe belaufen, ist nicht zu ermitteln gewesen, da in den Begleitschreibendes Wechsels die Ziffer der Summe stets ausgelassen ist.***)
*) Er vermählte sich mit ihr den 3. Febr. 1663.
**) Seine eignen Worte lauten: Oonsiixeni wem» carissiinam inckuxi, er u<> rimanäa siZcra illexi, gno miliiguogue, cum scmper xravsto esset, >iae in partv circa Sextant!» ilirectionem »peia icrret. I<I guock oneris ut lubentissimoanimo protinu« in «v recepir, sie, crebr» exercitationv, et continuo usu onm lircvi tempore eo cksüuxi, uk possit guas-cunque »ickeruin intercapcckinc« cuw omnimocl« plcna s,ttislact!onc exactissiinv, imv lere prompt!»«, guain qn>» rvliguoruwvwnium ut ut sir cruckitior, inecnm üirimere. tjuippv ack vbscvationes mutiere» »egue ut vir! »nnt icionae, guancko gu>-ckem negotium istuck non n summa eruckitiono, et ncri iugenio, »eä al> inckelessn oxoreitatioue, I^neeoguo oculo ckepenckot.Naelüna Loel. 1?. I. p. 224.
Was die letzte allgemeine Bemerkung anlangt, so hat H. die Begabung des weiblichen Geschlechts wohl etwas zu ge-ring angeschlagen, denn mehrere Frauen haben weit mehr geleistet, als er voraussetzt. So unterstützte z. B. MargaretheWinkelmann, die zweite Gattin des Gottfried Kirch , der eine Zeit lang Höwelckes Gehülfe war und 1710 zu Berlin starb,ihren Gatten bei seinen astronomischen Rechnungen. Marie Kunitz, die Gemahlin des EliaS v. Löwen, obscrvirte nicht nursehr geschickt, sondern war auch im astronomischen Calcul wohlbewandert. Sie richtete die Rudolphinischen Tafeln für den Di-lettanten bequemer ein und gab dieselben 165t) unter dem Titel: ttrania proxiti» heraus. Am bekannteste» unter den Astro-nominnen ist wohl die Schwester des älteren Herschel, Miß Caroline. Sie führte oft das astronom. Tagebuch ihres Bruders,rechnete mit ihm und war beim Observiren so glücklich, von 1786 an in wenigen Jahren S Comcten zu entdecken. LluckameI.epaute, geb. 1723 zu Paris , führte die umständlichsten Rechnungen von Olairaut und I-aI»näe aus und lieferte Aufsätze indie Oonnaisiiance äes Demp». Die Dame berechnete z. B- mit Olairaut fast ein Jahr lang die Bahn des Halley 'schen I75Swieder erwarteten Kometen mit solchem Eifer, daß sie sich oft kaum Zeit zu einem einfachen MittagSessen nahmen. >lL<IIer.Astronomie S. 353. Ltarie dliteliell zu dlantultel in Amerika besitzt sogar eine eigne Sternwarte und hat einen Kometen ent-deckt. Einen gleichen Fund hat auch in neuerer Zeit die Gemahlin des bekannten Hamburger Astronomen Rümkcrgemacht.
Der dankbare Höwelcke hat übrigen- jene — wie er scherzhaft bemerkt — in den Ehepakten nicht stipulirte Dienst-leistung dadurch zu belohnen gesucht, daß er feine liebe Gehülfin zweimal, das eine Mal am Sextanten, das andere Mal amOetanten mit ihm «ülernia intereapickine« ilirimontem hat abbilden lassen, dlacli. 6oel. T. I.
*") Der erste Wechsel ging im Juni I««3 ein, begleitet von emem verbindlichen Schreiben, von volbert eigenhändigunterzeichnet, in dem es unter andern heißt: 8i Vou» sonnaisser votre propre werite , Vou» nc ckevcr point etre surpriscke reoevvir unc j-ratiücation cke la pari ,iu 8v/, qni «wsirant taire tlcurir Ic» Sciences, tionore ck'uue estiwe particulidre