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Programm des Gymnasiums und der Realschule in Zittau : womit zu den am 14., 16., und 17. März d.J. im Zeichensaale der Anstalten abzuhaltenden Prüfungen ergebenst einladet Heinrich Julius Kämmel ; 1. Johannes Hevelius. Ein Beitrag zur Geschichte der Astronomie des 17. Jahrhunderts vom Gymnasiallehrer G.A. Seidemann. 2. Jahresbericht des Directors
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an Mobilim, Wäsche, Kleidungsstücken, Hausrath und güldenen und silbernen Geräthschaften verursachte,wurden insbesondere die Observativnsräumlichkciten mit fast allen Instrumenten, beinahe die ganze Bib-liothek, sowie die meisten gebundenen und ungebundenen Exemplare seiner eigenen Werke, von lVlaobinaEsel. 1. II alle, bis auf 2 oder 3, seine Privatdrnckerei und die Kupferdruckerei ein Raub der Flammen.In Zeit von wenigen Stunden war beinahe alles, was H. in dem langen Zeitraume von 40 Jahren mitunsäglichem Fleiße und dem Aufwande eines großen Theiles seines Vermögens geschaffen hatte, vernichtet.Erst, wenn wir uns mit seinen Instrumenten und seinen literarischen Arbeiten genauer werden bekanntgemacht haben, werden wir den ganzen Umfang seines Unglücks ermessen können und zugestehen müssen,daß der Verlust für einen Mann von 68 Jähren mit Recht ein unersetzlicher zu nennen war.

Die christliche Demuth* *) aber, die Gottergebenheit, das feste Vertrauen**) auf die Hülfe desHöchsten, welches alles sich in diesen Tagen der Noth, und Jahre nachher noch, aussprach, die mannhafteFassung und würdige Haltung, die er bei allem Schmerz. Gram und Kummer, namentlich auch der Schadenfreudeund Gehässigkeit seiner Feinde und der Falschheit vermeintlicher Freunde gegenüber***) zu behaupten wußte,die Großmuth endlich, die er gegen den Urhebers) seines Unglücks bewies, müssen uns mit hoher Achtungvor der sittlich religiösen Größe des Mannes erfüllen.

War gleich das Meiste von H. Schätzen verloren, so hatten doch einige brave Freunde gleich beimAnsbrnche des 'Feuers noch Einiges zu retten vermocht. Hierzu gehörten namentlich eine Menge Manu-skripte, einige, freilich geringfügige Instrumente, eine Anzahl von Exemplaren der Höwelckschen Drnck-

ängstlich gewesen und er gesteht selbst zu, daß ihn die Ahnung eines bevorstehenden Unglücks beschlichen habe. Um ihn zu zer-streuen, veranlaßte ihn seine Gattin mit ihr auf sein in der Nähe der Stadt gelegenes Gütchen, die sogenannte Zicgelscheune,zu fahren und den Abend dort in Gesellschaft einiger Freunde zuzubringen. DieS geschah auch. Gegen Mitternacht geht dasFeuer auf. Höwelcke, seine Gattin und die Freunde eilen unverzüglich nach der Stadt, denn H. hatte sofort erkannt, daß derBrand entweder in seinen Gebäuden, oder ganz in deren Nähe wüthe. Ehe man aber die Stadt erreicht hatte und die Thoregeöffnet wurden, hatte das Feuer schon so um sich gegriffen, daß, was nicht bereits gerettet war, rettungslos verloren ging. Wasin der angezogenen Stelle weiter von der wochenlang vorher durch H. erfolgte Prophezeiung deS Feuers, von HöwelckenS Ver-halten kurz zuvor, ehe das Feuer vom Gütchen aus gesehen wurde und von der schändlichen Verlnumdung im 3. Thl. des .Er-läuterten Preußen" zu lesen ist, daß nämlich H. den Brand selbst veranlaßt habe, um seine Prophezeiung ausgehen zu machen,und sich auö einer peinlichen Verlegenheit zu retten, verdient kaum ein Wort der Widerlegung. Höwelcke hielt so viel wie nichts vonder Astrologie, das versichert sein Leichenredner Bartb, und in HöwelckenS Schriften selbst kommen etwa 3 oder 4 Stellen vor,in denen er sich überhaupt über die Sterndeuterei äußert, am entschiedensten in der Ouiucwgrupliie 426, wo er sagt: DieseAnsicht wird einem Jeden nach Astrologie riechen, und man wird sich ohne Zweifel wundern, daß ich auf solche NarrenSpossen(tricis »i-trolochcls) so viel Gewicht lege, cum tnmcn illns Vinutntos PM'VI l'ncmm, nun innrnnü, gnnntl nstrulochn sie ncsti-ninmltt, ot guvukgno Vlies es»s so s« exteucklint. Damit möchte wohl auch zugleich der Stab über das, was Bcrnoulli hin-sichtlich des IIu,useoi>s, das Höwelcke seinen 3 Töchter» soll haben stellen lassen, gebrochen sein.

*)Ich muß tragen, waü er mir um meiner Sünden willen zugeschickt hat", sagte er zu seinem Beichtvater, der ihnsogleich nach dem Brande zu trösten kam.

**) Oum Deu Dliectori totlns universi it» visuni tuoiit, lubons ncguiesco, oiniuilimuilo eonüsiis, kdlini ine »ouclcrelletuium. 8erpil. p. 107.

***) Onm einigele illnck lneeiiillniii inlbi neelilerit, ckulur iitgnv »Sj-ritnclo eo plus erevlt, vorspleiens billigpmievs, gnus lnrvr bang vul^nres reposueram »Iiilco«, protinus pust kernlo illng lneenginm, iiiiiwos » ine nun tantnm aver-tere, veruin etlam ob Inctuvslssininm illiuii elngeiu in sinn Wundere: ullosgne rursus pliirlnils niülutlonibns, eui'i'sgue moinnuerito torgnere. .'Venus Olimact. Urneliitio.

I) Einer der Dienstlcute hatte aus Rache das Feuer angelegt, war sofort nach dem Brande aus Danzig entwichen,fand sich aber später von selbst wieder da ein. Höwelcke sah von jeder Bestrafung ab. Eben so schonend bewies er sich gegeneinen Nachbar, in dessen Hof mit einer einstürzenden Mauer zugleich ein Schrank mit Silbergeräth gefallen war. Der Mannbarg nun zwar das Silber, leugnete jedoch den Besitz später ab, als Höwelcke sein Eigenthum zurückforderte. Statt die Sachegerichtlich zu verfolgen, ließ er deut nngetreneu Nachbar den Raub und äußerte nur, er wünsche ihm viel Glück und Gedeihendazu. pengnich im 6. Briefe.

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