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Programm des Gymnasiums und der Realschule in Zittau : womit zu den am 14., 16., und 17. März d.J. im Zeichensaale der Anstalten abzuhaltenden Prüfungen ergebenst einladet Heinrich Julius Kämmel ; 1. Johannes Hevelius. Ein Beitrag zur Geschichte der Astronomie des 17. Jahrhunderts vom Gymnasiallehrer G.A. Seidemann. 2. Jahresbericht des Directors
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Anfangs besah Hevelius nur Fernrohre von 6 bis 12 Fuß Focallänge. Je mehr Uebung eraber im Glasschleifen erlangte, an desto größere Linsen wagte er sich und so brachte er später Fernrohrevon 20 bis 35' Brennweite zu Stande. Die größten, zn denen er die Linsen selbst geschliffen, waren ein 60-und ein 70füßiges Teleskop. Die kleinen Instrumente ruhten und bewegten sich auf verschieden construirtenStativen, die großen aber waren mit einem Flaschenznge an Masten von 20 bis 60' aufgehängt. Umnoch stärkere Vergrößerung zu erhalten, baute er ein Niesenfernrohr von 150' Brennweite, das an einemMäste von 90' Höhe vermittels Flaschenzng und Haspel aufgezogen wurde.*)

Nach der Zerstörung der Sternwarte durch den Brand ließ Hevelius zwar wieder einige In-strumente anfertigen, aber nur kleinere Winkelmesser und schwächere Fernröhre. Etwas Genaueres läßtsich nicht nachweisen; er selbst gedenkt nur im hinaus Olimaotei-ious ausdrücklich eines lOsüßigenFernrohrs.

Mit diesen Instrumenten, den vollkommensten, welche man je construirt hatte und welche auch diebesten blieben, bis um 1660 durch ganz neue Erfindungen diese Instrumente mehr und mehr an Werthverloren, hat nun Hevelius bis kurze Zeit vor feinem Tode, gewöhnlich nur von einem Gehülfen unter-stützt, eine solche Blenge Beobachtungen angestellt, wie kaum ein anderer Astronom vor ihm.

Er beginnt 1639 mit Beobachtung von Sonnen und Mondfinsternissen. Durch die letzteren wirder zu den eingehendsten Beobachtungen der Mondscheibe und gründlichen Forschungen über diesen Himmels-körper veranlaßt. Die Sonnenfinsternisse führen ihn auf genauere Beobachtung der Sonnenscheibe, undin den Jahren 1642 bis 1644 beschäftigt er sich anhaltend mit den Sonnenflekken. Gleichzeitig richteter sein Augenmerk auf die Planeten Merkur, Venus , Mars , Jupiter und Saturn. Hierbei beschäftigenihn von 1642 bis 1645 namentlich die Trabanten des Jupiter . Die bei diesen Beobachtungen häufig inFrage kommenden Abstände der Sonne, des Mondes und der Planeten von Fixsternen lassen ihn dieBemerkung machen, daß die Tychonischen Fixsternörter nicht durchgängig genau bestimmt sind;**)darum wendet er sich von 1647 an der Revision des Fixsternhimmels zu, um einen neuen verbesserten Fixstern-catalog zu entwerfen. Das Erscheinen eines schönen, hellen Kometen im December 1652 regt ihn, dernoch keinen zu Gesicht bekommen hatte, so aus, daß er von da an der Untersuchung dieser rätselhaftenErscheinungen seine Hauptaufmerksamkeit zuwendet, die durch das Erscheinen zweier noch größerer Kometen1664 und 1665 noch mehr in Anspruch genommen wird. Bei der Revision des Fixsternhimmels beschäftigeter sich vorübergehend mit dem Andromeda-Nebel und der Milchstraße , eingehender später mit dem neuenSterne im Wallfisch und dem im Schwane. Dies der Verlauf der Beobachtungen. Selbstverständlichwurden nebenbei alle vorkommenden Sonnen- und Mondfinsternisse, Sternbedeckungen, Vorübergänge desMondes bei Planeten und Fixsternen, sowie auffallende Planetenconjunctionen gebührend berücksichtigt.

Die Resultate, zu denen Hevelius durch seine Beobachtungen und Untersuchungen gelangte,sind kürzlich nachstehende:

*) Der Mast zu dem ibofnßigen Teleskope war auf dem oben erwähnten Landgütche» vor dem Olivaer Thoreerrichtet. HeveliuS mag wegen der großen Umständlichkeit, welche mit dem Zusammensetzen des Fernrohrs und dessen Aufzugean dem Mäste verbunden war, dasselbe wohl nur selten gebraucht haben. Die Dbjectivlinse, welche er nicht selbst geschliffenhatte, soll sich, nach Westphal, im Besitze der naturforschenden Gesellschaft in Danzig befinden.

Uebrigens war Hevelius nicht der einzige, welcher solche unmäßig lange, schwerfällige und ganz unpraktische Instru-mente construirte. ^urout und der Holländer Hartssöcker sollen nach linill/, Nirnoire ,Iv I'»st,on. »w<I. >>. 253 sogar Linsenvon 300 bis 400' Brennweite angefertigt haben.

Die Hcvclianischen Fernrohre, dazu gehörigen Stative und Bewegungsapparate sind umständlich beschrieben undabgebildet Llaebinn D. I. 6ap. IS, 20, 21.

") Damit will er dem großen l^cko keineswegs zu nahe treten, sondern er erklärt sich diesen Uebelstand daraus, daßDxcbo oft mit Iv bis 12 Gehülfen, meist Studenten, gearbeitet habe xloiunxjiie vonoti öustentntioni» unt pi'nemü raus»lsboi-o- illos ouseipiunt" und daher selten mit der erforderlichen Sorgfalt und Umsicht verfahren sein mögen.