19
Hatte er null durch Sonnen- oder Sternhöhen seine Räder- oder Sonnenuhr bis auf die Minutecorrigirt, so ließ er durch einen Gehülfen die während einer Beobachtung erfolgten Pendelschwingungenzählen und bestimmte dadurch die Sekunden.
Diesem lästigen Zählen, bei dem überdies leicht Fehler vorkommen konnten, abzuhelfen, erfand er1650 einen kleinen Mechanismus, den er an der Pendelschnur statt der Linse anbrachte und der durch einenZeiger die Hin- und Hergänge selbst auf einem Zifferblatte notirte. Allein auch diese wesentliche Ver-besserung genügte ihm nicht. Immer mußte noch das Pendel von Zeit zu Zeit angestoßen werden. Demhalf er endlich dadurch ab, daß er statt der Schnur einen Messingstab anwandte, als Aufhängepunkt eineAxe anbrachte und durch einen Mechanismus*) das Pendel in fortwährender Schwingung erhielt, währendein Zeiger Stunden, Minuten und Sekunden auf einem Zifferblatte angab. Ein geschickter Mechanikus,den er damals in seinem Hause sich hielt, trug diesen Mechanismus auf eine Nädcruhr über und brachteso eine wirkliche Pendeluhr zu Stande. **) Hevelius ließ eine größere und eine kleinere anfertigen, dieletztere verehrte er 1660 seinem Gönner, dem Könige Johann Casimir .
Vergleichen wir die Winkelmesser des Hevelius mit denen D^ollos,***) so wird manzugestehen müssen, daß Hevelius mehrere wesentliche Verbesserungen daran angebracht hat, dieer selbst erfunden und meist, was die feinere Arbeit, namentlich die Theilung anlangt, mit eignerHand ausgeführt hat. Die Verbesserungen betreffen 1. die überaus leichte Bewegbarkeit der großenschweren Instrumente, welche er durch geschickte Benutzung von Rollen, Gegengewichten, Hebeln,Zahn und Trieb, durch das Nußgelenk und durch richtige Vertheilung der Last erzielte; 2. die sichere undleichte Einstellung des ganzen Instruments und namentlich der Alhidade durch Anwendung von Stell-,Druck- und Correctionsschrauben und durch Gewichte und Gegengewichte; 3. die möglichst genaue Ein-theilung des Limbus mit Anwendung des Nonius und einer Mikrometerschraube; 4. die sinnreiche Ein-richtung der Dioptern, ebensowohl des Objectiv- als des Ocular-Diopters;)) 5. die Vorrichtung, daß derBeobachter selbst bei vertikaler Stellung der Alhidade noch mit aller Bequemlichkeit observiren konnte, undendlich 6., die Einrichtung der Drehpavillons.
Von Scheiner, der zur Beobachtung der Sonne ein Heliotrop und Helioscop erfunden hatte,entlehnte er das letztere, vereinfachte es aber und verbesserte es wesentlich.)))
*) Llaobiim vool. 2?. I, S. 365 ff. Leider beschreibt Hevelius diesen Mechanismus nicht, sondern sagt blos: Ilocc.epei'pemlioulum peeuliarl artikioio oo clolluoore co^itabaiu, q u o etiam seso ipsum «briguo ulli« mruubus possit oonuuo-voio atijne in motu continuo äotinero.
**) Bekanntlich wird Runkens fast durchgängig als Erfinder der Pendeluhr genannt. Humboldt indeß schreibt,gestützt auf namhafte Autoritäten die Erfindung dem Lanctorms (1612) zu. vosmo- Th. 2, S. 451. Dies mag seine Richtigkeithaben; allein Hevelius hat davon gewiß nichts gewußt, so wenig wie wahrscheinlich Iluv^ticns. Welcher von beiden, ob Heveliusoder Ilu^bcms zuerst auf den Gedanken gekommen ist, das Pendel mit einer Uhr zu verbinden, läßt sich nicht entscheiden. DieTheorie und Ausführung hat Iluxgben« entschieden zuerst bekannt gemacht. Wäre der Mechanikus, dem Hevelius die Aus-führung seiner Idee anvertraute, nicht etwas schwerfällig gewesen, so würde wahrscheinlich HeveliuS zuvorgekommen
sein. Stramberg , in dem Artikel „Hn^bons" in der allgem. Encyclopädie S. 276 muß die Llncbina 6ovl. nicht gelesenhaben, sonst hätte er nicht schreiben können: „Keiner hatte (nämlich vor Ilnx^ons) das Pendel mit einem Räderwerke in Ver-bindung gebracht.* Hevelius sagt wörtlich cL. 366 seiner dlaowiia: Uoclem lece teiupoie, oum imu cluo boroloKia cunc pen-«lulis sub luuiiibns urtiüois vorsadantuc, »eosulli penitu« oi'aiit »bsoluta, ncoiclit, ut colodocriiuus II^Aeuius «imil!» boi'ologiupariter kelicisslmo aus» anno 1657 mliuvvnecit, panllo quoiple Post, anno villolioet 1658 illuil ipsuill clolineatiim ovnlxavorit.cle guo ipsi maximopere gratulor.
***) M. s. U^olu>i>>3 7^.stcoi>ummo i'nLtani'atno mvcbanioa Horimb. 1602.
)) Diesem Artikel ist ein eigenes Kapitel in der dlnl-Iiiiiü, gewidmet.
))) Scheiner. kosn Ili'sma I.il>. II, 38 III, p. 349. Llueluna Ooel. 1. I, 376 ff. SolenoArnpWlt E. 97 ff.
Die Verbesserung des Scheinerschen Ilolioseops betraf besonders die Leichtigkeit, mit welcher das Fernrohr derBewegung der Sonne folgen konnte und die bequemere Vorrichtung zum Auffangen des Sonncnbildes.
3