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Programm des Gymnasiums und der Realschule in Zittau : womit zu den am 14., 16., und 17. März d.J. im Zeichensaale der Anstalten abzuhaltenden Prüfungen ergebenst einladet Heinrich Julius Kämmel ; 1. Johannes Hevelius. Ein Beitrag zur Geschichte der Astronomie des 17. Jahrhunderts vom Gymnasiallehrer G.A. Seidemann. 2. Jahresbericht des Directors
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1665, obgleich er jene Gegend von 165759 fleißig durchmustert hatte. Er meint daher, der Nebel seieinem ähnlichen Wechsel wie Nira unterworfen. Kometennatur hat er nicht, aber für eine Anhäufungkleiner Sterne kann er ihn auch nicht halten.*)

In der Milchstraße findet auch er, wie Galileo, eine Anhäufung unzähliger kleiner Sterne, inderen Nähe wohl auch die meisten neuen Sterne sich finden möchten, weil hier ein unendlich reicherStoff von Exhalationen vorhanden sein müsse.

Hinsichtlich der Nefraction ist HeveliuS der Ansicht, daß bei den Fixsternen ihre Einwirkungauf den wahren Ort bei 20" aufhöre, unmittelbar am Horizonte betrage sie 30'**)

Die jährliche Präcession beträgt 50" 52'".

Unser Sonnensystem.

Zu demselben gehören außer der Sonne, alsdemCentralkvrper, die Planeten: Merkur, Venus , Erde, Mars ,Jupiter und Saturn nebst dem Erdenmonde, den 4 Trabanten des Jupiter und dem Monde des Saturn.

Die Sonne.

Die mittlere Horizontalparallaxe beträgt 40 Sekunden, nicht 3 Minuten, wie D^ollo gefunden,auch nicht 60 Sekunden, wie Keppler will. Im Apogäo steht die Sonne von der Erde ab 5248 Erd-halbmesser, im Perigäo 5065 Erdh., im Mittel also 5)56,5 Erdhalbmesser oder 4,761,390 geogr. Meilen.Der scheinbare mittlere Durchmesser beträgt 31' 54", daher der wahre 41,150 Meilen; mithin verhält sichder Erddurchmesser zu dem Sonnendurchmesser wie 1 :23,g ***).

Die Sonne ist ein kugelförmiger, aus sehr heterogenen Stoffen zusammengesetzter Körper von dergrößten Dichtigkeit. (Die Ansicht anderer Naturforscher, nach welcher ihre Consistenz mehr schwamm- oderlungenartig wäre, ist nicht unbedingt zu verwerfen.) ,

Die Bestandtheile sind theils fest, theils flüssig. Die ganze Sonnenmasse ist, wie kein andererKörper im Sonnensysteme, den gewaltigsten Störungen und dem größten Wechsel unterworfen; beständigsind in ihr Erzeugungen und Zerstörungen wahrzunehmen.

Die Bestandtheile sind theils fester, theils flüssiger Natur, aber weder die einen noch die anderensind mit den Erdenstoffen identisch. Die festen Bestandtheile sind ihrem Wesen nach leuchtend und glänzend,die flüssigen sind ein überaus zarter Stoff, das reinste Elementarfeuer.

Dieser feurige Stoff ist in beständigem Aufwallen und Sieden begriffen und stößt fortwährendDämpfe und Dünste aus. Das Ganze hat Aehnlichkeit mit einem Feuermeer; seine Bewegungen könnenmit der Ebbe und Fluth der Erdenmeere verglichen werden. Die Notation der Sonne, welche nach je 27Tagen vollendet ist, macht, daß dieses Wogen noch lebhafter wird. Die Rotation erfolgt von Ost gegen West.f)

Aus den Exhalationen dieses Feuermeeres bildet sich um die Sonne eine Atmosphäre; aus ihnenentstehen auch, wenn sie sich verdichten, die Sonnenflekken und Sonnenfackeln.

Die Sonne »flecken sind inhärirende Theile der Sonnenoberfläche und keineswegs, wie andereAstronomen behauptet haben, Schatten, die irgend ein Himmelskörper auf die Sonnenfcheibe wirft, oderSterne, welche an ihr vorübergehen. Die schwarzen Flecken sind feste, dunkle Massen, die mit der Sonne

*) Oesorixtio Oomotae anni 1665 p. 42.

ES ist befremdend, daß HeveliuS den Orionnebel, den er doch gewiß mit seinen Fernrohren als einen wenigstenseben so auffallenden Nebelfleck, als den in der Andromeda erkennen mußte, nirgends einer Erwähnung werth hält., um so mehr,da doch bereits Oalileo in seinem Huneius sickeeens wenigstens auf die ungewöhnliche Anhäufung von Sternen auf dem kleinenRaum von ein paar Graden im Schwerte und Gürtel aufmerksam gemacht hatte, wenn auch seine Beschreibung und Abbildungnicht im Entferntesten dem Nebelflecke galten.

**) LolenoArniibie p. 200.

"») krockiomus sstionomme x. SO. Brgl. 6omvtvj;r»xbio p. 3S5.

s) lüometOArapbls p. 352 ff-