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Programm des Gymnasiums und der Realschule in Zittau : womit zu den am 14., 16., und 17. März d.J. im Zeichensaale der Anstalten abzuhaltenden Prüfungen ergebenst einladet Heinrich Julius Kämmel ; 1. Johannes Hevelius. Ein Beitrag zur Geschichte der Astronomie des 17. Jahrhunderts vom Gymnasiallehrer G.A. Seidemann. 2. Jahresbericht des Directors
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Merkur.

Die Hvrizontalparallaxe beträgt im Apogäo 26" 53"', im Perigäo 1' 7", in der mittleren Ent-fernung 40". Der Abstand von der Erde im Apogäo ist 7671 Erdhalbmesser, im Perigäo 2642 Erdh..und in der mittleren Entfernung 5157 Erdh. oder 4,435,020 Meilen. Der größte scheinbare Durchmesserbetragt 11" 48"' (11",s), der kleinste 4" 4'" (4",oe), der mittlere 6 " 3'" ( 6 ", 5 ).*) Der mittlere wahreDurchmesser ist 130 Meilen und das Verhältniß zum Erddurchmesser ^g.

Er entfernt sich von der Sonne im Perihel nicht über 18", im Aphel nicht über 28". DieNeigung der Bahn gegen die Ekliptik beträgt 6 ° 49' 18"; die Länge des aufsteigenden Knotens ist 1 214» 16' 42".'*)

Durch mehrfache Beobachtungen, in den Jahren 1644 und 1645 angestellt, überzeugte sichHevelius von den Lichtphasen des Planeten, die er denen des Mondes sehr ähnlich fand.***)

Sein Umlauf um die Sonne währt 87 T. 23 St. 45'.

*) Nessel fand 1832 für den größten Durchmesser 12",s, für den kleinsten 4",4, für den mittleren 6",so.

**) dlerci» ins iu solo visus. x. 77, 82, 101 ff, Vrgl. 6o>nvttigi»;>I>!0 ;>. 313 und 395.

***) INologomvim 8elono^,'n;>ii>»o S. 74 ff.

Die obigen Resultate wurden bei Gelegenheit des VorübergangeS des Merkur vor der Sonue den 3. Mai i r,r>l

erhalten.

Durch eine Epbemeride auf dieses seltene Ereignis; aufmerksam geworden, berechnete Hevelius, der jenen Blättern nichtganz traute, selbständig die Conjunction des Merkur mit der Sonne »ach K verschiedenen Sonnen- und Planetentafeln, erhielt abereine Differenz von nicht weniger als n Tagen; die Grenzen fielen nämlich zwischen den i. und n. Mai und die Stunden hier,auf die Tages - dort, auf die Nachtzeit. Um recht sicher zu gehen, fing er seine Beobachtungen schon ein paar Tage vor dem 1.Mai an. Am 1. und 2. Mai war nichts vom Merkur zu sehen. Am 3. begab sich Hevelius schon vor Sonnenaufgangauf seine Sternwarte, um ja nicht den Sonnenaufgang zu versäumen. Der erste Sonnenblick 5 Uhr iv'; aber kein Merkur!Bald verschwand die Sonne hinter Gewölle und blieb bis nach 2 Uhr von Wolken bedeckt. Plötzlich um 3 Uhr bricht das Gewölk,die Sonne tritt hervor und der sehnlichst erwartete Merkur zeigt sich den Blicken des hocherfreuten Beobachters etwa !>/, Zollweit unten vom östlichen Rande entfernt. Außer sich vor Freude rief er seinen Gehülfen zu:Jetzt hab' ich ihn, jetzt hab' ichihn gesehen!" (Wem fiele hierbei nicht der nicht minder glückliche Archimedes ein, wie er aus seinem soll»,» springt, und sein:

l?") Er stach sofort mit der Nadel ein Loch in daS Blatt Papier, *) wo er den schwarzen Punkt gesehen, undzeichnete die Linie vor, welche der Planet nach seiner Ansicht beschreiben mußte. Gegen halb 4 Uhr verzog sich das Gewölkwieder und nun konnte der Vierkurinstur j-r»»! »»»»tissi,», sei»;»!« brnssio-uo" deutlich längere Zeit von Hevelius und seinenGehülfen gesehen werden. Leider ging die Sonne unter, ehe der Planet noch z-), seines Weges über die Sonnenscheibe zurückgelegthatte. Obgleich weder der Eintritt noch der Austritt hatte beobachtet werden können, so reichte doch das Beobachtete (es waren7 Positionen erhalten worden) hin, Eintritt, Mittel- und Austritt, die Breite, den Abstand des Vierkur von dem niedersteigendenKnoten, die Neigung der Bahn und die stündliche Bewegung abzuleiten. Llerourius i» solo. ;>. SS ff.

Den scheinbaren Durchmesser fand er dadurch, daß er das Verhältniß des Durchmessers des Miniaturbildchens desVterkur zu dem Durchmesser seines Sonnenbildes suchte. Diese Größe redueirte er durch spätere Beobachtungen auf die mittlereEntfernung des Merkur von der Erde und benutzte nun diese Größe als Basis zur Bestimmung der scheinbaren Durchmesserder übrigen Planeten und der oben genannten Fixsterne. Er schnitt sich nämlich eine Anzahl eirkelrunde Ringe von verschiedenenDurchmessern aus Messingblech, blendete damit sein Objectiv so lange, bis er die Irradiation für ganz beseitigt hielt, suchte danndas Verhältniß deS Durchmessers dieses Ringes zu dem seines Normalringes für den Vterkur und berechnete danach die Proporttondes scheinbaren Durchmessers deS fragliche» Planeten zu dem der Sonne. Auf diesem Wege gelangte er zu wirklich überraschendenResultaten, wenn man bedenkt, daß die heutigen Astronomen zu derartigen Messungen die feinsten Mikrometervorrichtunge»benutzen können. Für Venus fand er IS" is""; Mädler in der Astronomie giebt 17",i; für Mars fand er 3"; Mäkler hatIK"; für Saturn IK"; Mädler I«,i7-

Diese Beobachtung war die erste genaue in Europa angestellte. Unzureichend war, was Oassoncki, Olsatns undtjuietanu» bei dem Durchgänge vom 7. Nov. i<-3i beobachtet hatten. Der Vorübergang im Stov. 1661 war in Europa nichtsichtbar gewesen. X»oti. Juli 1803.

*) Hevelius beobachte in der vimrora odeours.