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Der Raum, in welchem die Cometen im Welträume auftreten, liegt nur innerhalb der Planeten-bahnen; jenseits der Saturnbahn, bewegt sich keiner.
Sie entstehen aus den feinen dunstförmigen Stoffen, welche die Atmosphären der Sonne undder Planeten ausmachen. Durch Znsammenballung und Verdichtung dieser planetarischen Emulationenwird der Keim des Eometen gebildet; durch Anhängen neuer solcher Stoffe wächst der beginnende Cometund es bildet sich der Kopf oder eigentliche Cometeukörper. Der nun, so zu sagen, reisefertige Comet wirdin Folge der Rotation des Planeten und seiner Atmosphäre von seinem Erzeuger ausgestoßen, und diesevon außen auf ihn einwirkende Kraft (Impetus) nöthigt ihn, sich in einer Spirale aus der Atmosphäreherauszuwinken. Hat er diese verlassen, so bewegt er sich infolge jenes Impetus und des Beharrungs-vermögens in der Tangente fort. Da ihm aber eine ^ppstsutia, eujus deneüoio psrpstuo alter« laterepiano aä 8okem propenäet«, inwohnt, so wird er von der Tangentialrichtung in jedem Augenblicke, ebendurch das Bestreben seine eine stäche Seite der Sonne beständig perpendikulär zuzukehren und durch denWiderstand des Mittels abgelenkt, und diese äovlatlo erfolgt in der Form der Parabel gerade so, wie einhorizontal, oder unter einem schiefen Winkel geworfener Körper eine parabolische Linie in der Lustbeschreibt.
In der Nähe des Scheitelpunktes der Parabel ist die Geschwindigkeit am größten, weil hier dieWurflinie mit der Curve fast parallel liegt und die Kantenseite des Cometen mit der Ebene der Bahnzusammenfällt, also der Comet sozusagen mit dem Strome schwimmt; dann auch, weil der Comet hierin der Nähe der Sonne am dichtesten ist und daher das Mittel den geringsten Widerstand leistet. Infolgedieser größeren Dichtigkeit hat er in der Sonnennähe auch den größten Glanz und wegen der MengeStoffs, den er aus der Sonnenatmosphäre sich aneignen kann, auch die größte Ausdehnung.
Hat der Comet im Perihel seine Reife erlangt und dasselbe verlassen, so geht er allmählich wiederseiner Auflösung entgegen. Seine Masse wird von Tage zu Tage lockerer und spärlicher, denn die Sonnesowohl wie die Planeten, in deren Bereich er bei der Entfernung von der Sonne kommt, ziehen die ihnenzugehörigen Stoffe wieder an sich, bis der Comet endlich, bald in der Mars -, Jupiter - oder Saturnbahnsich gänzlich auflöst.
Der Kopf, der bald mehr, bald weniger dicht ist und etwa die Consistenz der Sonnenfleckenhaben mag, besteht aus zahllosen heterogenen, verschiedentlich gestalteten festen Partikeln, die bald mehr,bald weniger refractions- und reflexionsfähig sind und lose zusammenhängen.
Nicht aller Stoff, welcher sich während der Reise des Cometen um den Kopf angesammelt hat,ist geeignet, sich mit demselben zu verbinden; vieler bleibt nur um ihn herum in der Schwebe haftenund bildet eine eigene Atmosphäre um den Cvmetenkörper. Dieser sehr feine Stoff, durch welchen hindurchman selbst kleine Sterne erblicken kann, erscheint uns als Schweif, der gewöhnlich, doch nicht immer,nach der von der Sonne abgewendeten Seite gerichtet ist. Diese conische Schweifgestalt rührt daher, daßdie Sonne die Cometenatmosphäre auf der ihr zugewendeten Seite und ebenso an den beiden Kantenseitender Scheibe durch ihre Wärme dermaßen verdünnt, daß wir davon aus der Erde nichts gewahr werden;den dichter gebliebenen, hinter der Scheibe gelegenen Theil können wir aber deßwegen sehen, weil dieSonnenstrahlen, die durch die diaphanen Partikeln des Kopfes hindurch gehen, denselben beleuchten. DurchReflexion gelangt dieses Licht in unser Auge.
Dieser Schweif ist mitunter nur wenige Grade lang, mitunter mißt er aber 100 und mehrGrade. Seine Gestalt ist sehr verschieden und beständigen Veränderungen unterworfen. Er eignet sichbesonders zur Classification der Cometen. Man kann 12 Hauptformen unterscheiden.*)
*) vowetOßrnxkis. Buch s. Die Benennungen sind meist aus kliuii kistorine nnturnlis lidr. n c. XXII,entlehnt. Solche Bezeichnungen sind z. B.: Ovrnitorwi», zndilormis, i»clllilo>n>i8 lunstus, Usstilvnnis, ensilormis incurvntus etc.