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Programm des Gymnasiums und der Realschule in Zittau : womit zu den am 14., 16., und 17. März d.J. im Zeichensaale der Anstalten abzuhaltenden Prüfungen ergebenst einladet Heinrich Julius Kämmel ; 1. Johannes Hevelius. Ein Beitrag zur Geschichte der Astronomie des 17. Jahrhunderts vom Gymnasiallehrer G.A. Seidemann. 2. Jahresbericht des Directors
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Überblicken wir nur noch einmal die Auszeichnungen, deren er sich in so ungewohnter Weisezu erfreuen gehabt, erwägen wir den Beifall, mit dem seine Schriften aufgenommen wurden, fügen wirnoch ergänzend hinzu, daß es kaum eine Notabilität der Wissenschaft gab, mit welcher er nicht in litera-rischem Verkehre gestanden hätte,*) daß die berühmtesten damaligen gelehrten Zeitschriften, die kllilosoplüoulloansaotäons, das ckoui-nal lies 8avants und die ^ots, Lruckitorum wetteiferten, seine Werke anzuzeigenund darüber Bericht zu erstatten, daß endlich Christine von Schweden und der Große Kurfürst unter denehrenvollsten Bedingungen diese europäische Celebrität, wie man gegenwärtig sagen würde, für ihreStaaten zu gewinnen suchten**) so dürfte mit den obigen Worten wohl nicht zu viel gesagt sein.

Um so unbegreiflicher erscheint daher auf den ersten Blick die Mißachtung, welche nach des einstso gefeierten Mannes Tode seine Werke erfuhren.***) Sein Sternkatalvg, die Arbeit von mehr als 30Jahren, ist eigentlich nie in Gebrauch gekommen, obgleich er 650 Sterne mehr enthielt, als die damalsgebräuchlichen; sein Sternatlas, der Beyers Uranometrie überflüssig machen sollte, wurde derselbennicht einmal gleichgestellt, und das Werk endlich, in dem der ganze Schatz seiner Beobachtungen aufge-speichert ist, der 2. Theil der Naollina, verdankte seine Berühmtheit lediglich seiner Seltenheit.

Das Befremdende dieser Erscheinung fällt aber hinweg, wenn man einestheils die Zeitverhältnisse,anderntheils die Individualität des Hevelius genauer ins Äuge faßt.

Hevelius war, wie wir gesehen haben, ganz in ä<r Loalles Fußtapfen getreten, weil er

in dieser Nachfolge allein sein Ziel, die Wissenschaft zu fördern, zu erreichen gedachte. Er vervollkommnetedie Tychonischen Instrumente und verbesserte die Beobachtungsmethode aber beides behielt dessen-ungeachtet entschieden das Tychonische Gepräge. Daß man auf andern Wegen und schneller undsicherer zum Ziele gelangen könnte, dazu fehlte ihm das Verständniß, denn der»kämus ckiviuus", derbei einem Copernikus, Tycho, Keppler, Newton nicht zu verkennen ist, blieb ihm versagt.

Was mit seinen Instrumenten und vermittels seiner Methode Hevelius leisten konnte, das istvon ihm so vollkommen geleistet worden, wie von keinem andern seiner Zeitgenossen. Seine scharfen undzahlreichen Beobachtungen haben bestätigt, was der Bestätigung bedurfte, vieles berichtigt, was nochmangelhaft war, in einzelnen Partien selbst Bahn gebrochen und den Weg geebnet, der später zumZiele führte. So lange die beobachtende Siernkunde an den Tychonischen Grundsätzen festhielt, so langetrug HeveliuS den Preis davon.

Als aber in dem sechsten Decennium des Jahrhunderts das Fernrohr wesentlich verbessert wird,^wrout Oasooi^ue das Mikrometer nachersindet, das einfache Diopterlineal durch das Fernrohr mit demFadenkreuze mehr und mehr verdrängt wird, die Uhr aufhört, nur Zeitmesser zu sein und auch zu räumlichenMessungen verwendet wird da wird der mühsame Deutsche, von den Franzosen und Engländernnamentlich, überflügelt.

Hevelius, der damals bereits das 50. Lebensjahr überschritten hatte, nur an Instrumente nachseiner Construction nahe an 30 Jahre gewöhnt war, mit denselben so lange Zeit mit dem besten Erfolgeobservirt, seit einigen Jahren erst die dritte Gruppe seiner Instrumente mit sehr großen Opfern an Zeit,Mühe und Geld vollendet hatte, konnte sich von diesen Instrumenten und der davon abhängigen Beobach-

*) Eine Menge Namen von Gelehrten aus dem ganzen gebildeten Europa findet man bei Brandstäter, und umwie viele würde diese Zahl vergrößert werden können, wäre es möglich, die is Bände .Briefwechsel' einzusehen.

**) M. s. Brandstäter.

***) Der mehr erwähnte Dawison sagt selbst: Ein holländischer Buchhändler, dem ich das Exemplar des ikroüromm-zu 2 Danziger Gulden im Tausche gegen andere Bücher anbot, gab mir nur eine unhöfliche Antwort. Wir waren mit denExemplaren dieses Werkes so überladen, daß meine Mutter sagte: Ich will diese Platten (die zum 1'roch or». astronom.) demKupferschmiede verkaufen, damit sie aus der Welt kommen, weil die Gelehrten unserer Tage sich so wenig aus den Werkenmeines Großvaters machen. Zach. Monatl. Eorresp. isos, S. 3Kb.