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mungen für gleich gut ansehen, so würde man den wahrscheinlichen Fehler des einfacharithmetischen Mediums gleich + 0"0768 finden. Allerdings würde diess zu dem Schlüsseberechtigen, dass obiges Resultat bis auf 0"1 völlig sicher sei, wenn es keine andern Um-stände gäbe als die Biegung, Fehler derTheilung und der Refraction, die einen constantenEinfluss auf die Beobachtung der Polhöhe hervorbringen könnten. Aber es darf nichtvorausgesetzt werden, dass die angewandten Declinationen fehlerfrei seien; und da solcheFehler, besonders wenn sie eine Regel befolgen, in diesem Falle weit nachtheiliger wer-den können als jene andern Fehler von constanter Wirkung, so kann ich diesen Punctnicht mit Stillschweigen übergehen.
Bekanntlich geben die meisten, wenn nicht alle neueren Declinationsverzeichnissefür die Fundamentalsterne durchschnittlich um etwa 1 Secunde grössere (nördlichere)Declinationen als Tabula: Regiomontanse (siehe z. B. die Vergleichungen in der Abhandlungvon Bessel: lieber Veränderlichkeit der eigenen Bewegungen der Fixsterne. Astr. Nachr.No. 514); der Unterschied würde indessen nach einer frühem (pag. 19Note angeführten)Aeusserung von Bessel selbst fast verschwunden sein, wenn die Beobachtungen, auf welche seinVerzeichniss für 1820 gegründet war, — mit Ausschliessung der Reflexionsbeobachtungen —mittelst der durch directen Versuch gefundenen verschwindenden Biegung reducirt wordenwären, statt der aus den astronomischen Beobachtungen abgeleiteten. In den Astr. Nachr.No. 422 enthält eine Abhandlung von Bessel (Neue Untersuchungen der Reductionselementeder Declinationen und Bestimmung der Declinationen der Fundamentalsterne) die Resultatevon vierjährigen Beobachtungen (1836 bis 1840), welche vom Hrn. Observator Busch an-gcstellt und berechnet waren. Das Instrument und die Methode sowohl der Beobachtungals der Berechnung waren dieselben, wie sie früher Bessel selbst angewandt hatte, nurdass noch ein practisches Hülfsmittel hinzugekommen war, welches in den fortwährendenBestimmungen des Nadirpunktes des Kreises bestand. Die Resultate schlossen sich auchnahe an die früheren an; doch trat hier wieder die angenommene Biegung etwas neckendauf. Während nämlich für die Biegung im Horizonte jetzt wie früher sehr nahe eineSecunde gefunden ward, fand sich dagegen bei der Biegung im Zenith '”') ein Unterschiedvon der früheren von einer halben Secunde. Dieses Resultat nebst dessen gänzlicher Un-vereinbarkeit mit der direct gefundenen verschwindenden Biegung leitete Bessel auf denGedanken, dass das angenommene Gesetz der Biegung ungenau sei. Er scheint nicht da-mit die Meinnng andeuten zu wollen, dass es vielleicht Wirkungen von fremden Ursachen
■*) Bessel wandte bekanntlich für die Biegung den Ausdruck a sin t -f- b cos s an.