137
lcicht an „Macbeth" gemahnt fühlen. Vergleicht man dagegendie Motive so furchtbarer Umgestaltung, so findet man, daß beiShakespeare der Keim der verheerenden Macht im Triebe derPersönlichkeit, bei Grabbe aber in einer seltsamen Verknüpfungvon äußeren Umständen, in Intrigue und Mißverständnis liegt.So fehlt das geistige Band, das die frappierenden Züge derCharakteristik zusammenheilt. Der knorrige Baum scheint in derLuft zu hängen, es rast in den Wipfeln, aber es fehlt die Wurzel,die ihn mit der Erde, mit dem Menschlichen verbindet. Dabeitritt ein Zug hervor, von dem Kleist bei aller Kühnheit desnackten Ausdruckes frei geblieben ist: die Freude am Häßlichen.Es ist zweierlei, das Häßliche im Rahmen eines Charakterdramasnicht entbehren zu können und derart einzuflechten, daß dadurchdie Schönheit des Ganzen gehoben erscheint, oder aber das Häß-liche mit cynischem Behagen auszumalen und mit selbstgefälligerVirtuosität als ein an sich berechtigtes Element in die Kunsteinzuführen. Grabbe hat dies nicht nur im „Gothland", sondernauch in feinen späteren Werken vielfach gethan. Überhaupt strittder Virtuose in ihm mit dem Dichter. Die an sich bewunderns-werte Gabe, alles kraftvoll aussprechen und gewaltig verbild-lichen zu können, ließ ihn fast überall über das künstlerisch Not-wendige Hinausgreifen. So widerstreben alle seine Dramen ebenso-wohl der inneren Gebundenheit, wie der technischen Ökonomie.Dabei aber offenbart sich eine Kühnheit der Konzeption, eine sogigantische Gewalt der Sprache, ein so tiefer Einblick in dieNatur des Menschen, eine so imposante Verschwendung des künst-lerischen Könnens, daß man sich bei der Lektüre Grabbes vonseiner Revolution gegen alles Dagewesene mitgerissen fühlt undselbst die furchtbaren Bramarbasiaden, in denen er sich selbst derganzen Weltlitteratur gegenüberstellt, im Rausche eines derartigenSchaffens begreiflich findet. Grabbe hatte alle Vorzüge einesgroßen Dramatikers der neuen Richtung, nur nicht den einen,sich konzentrieren zu können. Nur annähernd ist ihm dies ineinem Werke, in dem ersten Drama des Hohenstanfen-Chklus, in