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Der Wald im Haushalte der Natur und des Menschen / von Rudolf Weber
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II. Die Rolle des Waldes im Kreisläufe des Wassers.

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wald (bei 95 Cubikmeter Streuvorrath) aber 28 CubikmeterWasser aufnehmen; d. h. ein gewöhnlicher Sommerregen von2 bis 3 Millimeter Regenhöhe verschwindet in kurzer Zeit ganzspurlos in der Streudecke des Waldes, gelangt also erst nachlängerer Zeit in die Humusschichte. Und doch ist dabei dienoch vielmal größere Wassermenge, welche nur für den Augen-blick durch den mechanischen Widerstand am Abfließen verhindertwird, gar nicht in Betracht gezogen. Da nun die stärkstenSommerregen in unseren Breiten nur selten die Höhe von25 Millimeter in einem Tage erreichen, so ist ersichtlich, wieviel Zeit dem Wasser geboten ist, allmählig die Humus- undFeinerdeschichte des Wurzelraumes aufzusuchen. In ähnlicherWeise besitzt auch der Humus selbst und die unter demselbenliegende humose Feinerdeschichte ein sehr bedeutendes Aufsaugnngs-vermögen für Wasser, welche letzteres demnach im normal be-beschaffenem Waldboden zwar in großen Quantitäten, aber inäußerst feiner Vertheilnng zurückgehalten wird. Eine ganz be-sondere Wichtigkeit erhält diese Eigenschaft des Waldbodens undseiner Streudecke im Gebirgswalde: Wie oben gezeigt, istdort die Regen- und Schneemenge um ein Bedeutendes größer,als im Flachlande; die in so beträchtlicher Höhenlage zu Bodengelangenden wässerigen Niederschlage haben aber, indem sie derSchwere folgend, am Terrain abfließen, einen großen Fallraumzu durchlaufen und erlangen dadurch eine immer größere Ge-schwindigkeit und folglich auch lebendige Kraft. Wo daher durchdie Zerstörung der Wälder oder die Entfernung ihrer Boden-decke die mechanischen Hindernisse für den raschen Abfluß derGewässer hinweggeräumt sind, ergießen sich diese bei jedemstarken oder lange anhaltenden Regen über das abschüssige Ge-lände, sammeln sich, Erde und Steingeröll auf ihrem Wege ab-schwemmend, zu rasenden Wildwassern, welche mit unwidersteh-licher Gewalt Alles, was ihren Lauf hemmt, niederreißen, dieThalgründe überfluthen und mit mächtigen Schutt-und Geröllmassen verschütten. Beispiele für die zerstörendeMacht solcher entfesselnden Wassermassen liefern alle Gebirgs-länder, deren Wälder vorher durch Menschenhand vernichtet wor-den waren. Im südlichen Italien ist z. B. durch solche Wolken-brüche über der Gesammtsläche der ligurischen Provinzen