24
II. Die Rolle des Waldes im Kreisläufe des Wassers.
aber an den Zweigen und Blättern verdunsten. Dazu wird diemechanische Gewalt des fallenden Regens durch die dicht inein-ander greifenden Baumkronen gebrochen, so daß die Oberflächedes Waldbodens eine gleichmäßig vertheilte, nachhaltige Durch-leuchtung erhält, während zugleich das Abfließen des Wassersdurch das Geflechte der verschlnngenenen Baumwurzeln einweiteres mechanisches Hinderniß findet uud außer Stande ist,das lockere Erdreich der Oberfläche wegzuschwemmen.
Eine hervorragende Bedeutung für die momentane Bindungdes Regen- und Schneewassers und dessen Zurückhaltung hataber die Bodendecke des Waldes, gewöhnlich „Streudecke"genannt. Dieselbe besteht im Laubholzwalde meistens vorherr-schend aus den verdorrten, abgefallenen Blättern, im Nadelholzdagegen nur in jungen Beständen aus einer Decke abgefallenerNadeln, in älteren aber aus Polster von Moosen verschiedenerdz-pnnm-Arten, xolzckrioüum und an nassen Stellen splmAimm-Arten. Die untere Schichte der Streudecke befindet sich stets inverschiedenen Graden der Verwesung und bildet so den Ueber-gang in die schwarzbraune „Humusschichte", welche in der Regelnur eine dünne Lage von gewöhnlich 1 bis 3 Centimeter Dickeausmacht; das Gemenge von Humus und den feinkörnigen,lockeren mineralischen Bodenbestandtheilen (meistens Berwitterungs-prodnkte des unterliegenden Gesteins) umfaßt häufig eine Schichtevon 12 bis 25 Centimeter Mächtigkeit und heißt im gewöhn-lichen Leben „Dammerde."
Die Streudecke sowohl des Laub- wie des Nadelholzwaldeshat in hohem Grade die Fähigkeit, Wasser in ihre Zwischen-räume aufzunehmen und durch Flächenattraktion zurückhalten.Durch Versuche von Pros. Dr. Ebermayer? wurde gefunden, daßBuchenlaub 230 bis 250 seines eigenen Gewichtes an Wasserabsorbirt, Moos 280 bis 330 "/§, Fichtennadeln 150 bis 190"/ound Kiefernnadeln 140 bis 160 "/g. Ein Cubikmeter Buchen-laub bindet fast 2 Hectoliter Wasser so vollständig, daß momentankein Tropfen abfließt und nur allmählig sich Feuchtigkeit demBoden mittheilt; Moos wirkt noch energischer, indem 1 Cubik-meter davon 2 bis 3 Hektoliter absorbirt. Rechnet man nunpro Hectar Wald einen Vorrath von 12 Cubikmeter Laubstreu,so kann 1 Hectar Laubholzwald 24 Cubikmeter, ein Nadelholz-