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Der Wald im Haushalte der Natur und des Menschen / von Rudolf Weber
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II. Die Rolle des Waldes im Kreisläufe des Wassers.

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so erwünscht und in allen großen Waldgebieten meistens zu fin-den ist. Anders verhält sich dies in waldarmen Gebirgsgegen-den, dort sieht der Bewohner mit banger Sorge jedem Schnee-abgange entgegen, weil er die Gewalt der vom warmenFöhn"entfesselten Schneewasser kennt. , Und nicht nur das Schmelzen,sondern schon ein bloßes Aufthauen der Schneedecke bringt insolchen entwaldeten Gebirgen die größten Gefahren: wo diesteilen Gehänge sich ohne Unterbrechung durch Unebenheiten oderdurch Wald oft tausend Fuß hoch wie die Fläche eines Dacheserheben, da kommt zuweilen die Masse des weichen Schneeszum Abrutschen oder ein im obersten Theile einer solchenLahne"in's Rollen kommendes Schneetheilchen ballt sich zu riesigenMassen an, die mit wachsender Geschwindigkeit thalwärts stürzenund mit gewaltiger Wucht Alles überschütten und zerschmettern die gefürchtetenLawinen." Auch gegen sie gibt es nurein Mittel: die Erhaltung der Bewaldung in den Hochlagender Gebirge, indem die Stämme und Zweige der Bäume einmechanisches Hinderniß für die Bewegung der Schneemassenbilden.

Während so der Gebirgswald dem schnellen oberflächlichenAbfluß der Gewässer entgegenwirkt, bildet er gleichzeitig einhochgelegenes Reservoir voll nachhaltig fließenderFeuchtigkeit. Er verwandelt dasselbe Wasser, dessen ver-heerende Wirkung wir soeben in den großartigen Ueberschwem-mungen sahen, in rieselnde Quellen und Büchlein und dieselbemechanische Kraft, welche außerdem Schutt und Felstrümmerweithin über die Fluren der Thäler aufschüttete, Brücken undDämme zerrisse, macht er alsWasserkraft" dem Menschendienstbar zum Betrieb der tausenderlei Werke und Erfindungender Industrie oder zu Transport der Schiffe und Flöße.

Eine wesentliche Unterstützung dieser für ganze Länder hoch-wichtigen Wirkung auf den Wasserstand der Bäche und Flüsseerhält der Gebirgswald durch die in seinem Schooße liegendenHochmoore. Diese oft an ziemlich geneigten Terrain vor-kommenden massenhaften Anhäufungen von Humus und halb-verwesten Baumstämmen, welche durch die netzartig verzweigtenWurzeln der Fichte oder Moosföhre (U. Llugüns nlizinosn)fest zusammengehalten sind, bilden, da sie mit Wasser vollge-