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Der Wald im Haushalte der Natur und des Menschen / von Rudolf Weber
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II. Die Rolle des Waldes im Kreisläufe des Wassers.

saugt sind, einen vollständig undurchlassenden Bodenüberzug vonoft mehreren Meter Mächtigkeit. In diesen torfähnlichen Massensammelt sich daher ein außerordentlicher Wasservorrath an, dernur ganz allmählig zum Abfluß gelangt und selbst im Standeist, einen solchen Ausgleich zwischen trockenen und nassen Jahr-gängen herbeizuführen, daß der Wasserstand der Bäche nur wenigdavon berührt wird.

Das in der Streu- und Moosdecke enthaltene Wasser sickertgrößtentheils durch die humusreichen Schichten der Feinerde inden Untergrund, indem es auf diesem Wege einen bedeutenden Theilzur Deckung des Bedarfes der Waldbäume an deren Wurzeln ab-gibt. Dagegen verliert es um so weniger durch direkte Verdunstungder Bodenoberfläche, da die Streudecke eine weitere, sehr bemerkens-werthe Fähigkeit besitzt, nämlich die Verdunstung der Bo-denfeuchtigkeit außerordentlich zu vermindern. Es isthöchst interessant, welch' einfacher Mittel die Natur sich bedient,um so große Zwecke zu erreichen; eine kaum handhohe Schichtedürren Laubes oder von Polstern der gewöhnlichen Waldmoosedrückt die Verdunstung des Bodenwassers im Walde auf st?derjenigen Menge herab, die außerdem im Freien verdunstenwürbe. Nach genauen Versuchen von Pros. Dr. Ebermayerkommen von den auf diese Art ersparten 85 "/<> Bodenfeuchtig-keit 63 °/o auf Rechnung der Einwirkung des Kronenschlussesdurch Abhaltung der Sonnenwärme und des Windes) und22 o/g aus jene der Streudecke. Die auf den Wald fallendenRegen- und Schneemengen werden demnach von diesem in ganzökonomischer Weise nur zur Befriedigung des großenWasserbedürfnisses der Bäume und zur Speisung derQuellen und Flüsse verwendet. In der That zeigten dievon Herrn Dr. Ebermayer veranlaßten zahlreichen Messungender durch den Waldboden sickernden Wassermengen im Vergleichezu denen des freien Landes, daß in einem Sommerhalbjahrgerade noch einmal so viel Wasser den Untergrund des Wald-bodens erreiche, als jenen des Freien. Eine Uebertragung derso gefundenen Resultate auf ein großes Beispiel zeigte, daß eineWaldfläche von nur 34,000 Heltar (von der Größe des Spessart )im vollkommen bestocktem Zustande so viel Wasser mehr liefert,als eine gleich große kahle Fläche, daß damit der Mainstrom