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III. Der Einfluß des Waldes auf das Klima.
gehalt der Luft, die Vertheilung von Land und Wasser, dieMeeresströmungen, die Terrainverschiedenheiten des Festlandesund die Art der Bodenbedeckung oder Vegetation wenn auch inzweiter Linie, so doch sehr bestimmend auf den allgemeinenCharakter des Klimas ein. Das Resultat aller dieser Einflüssezusammen in Combination mit dem gegebenen mathematischenKlima heißt das „physische Klima."
Bon allen diesen lokalen klimatischen Einflüsseninteressirt uns hier zunächst nur jener des Waldes und zwarhinsichtlich seiner Wirkung auf Luft- und Bodenwärme, dann aufdie Feuchtigkeits-Verhältnisse einer Gegend, welch' letzterer Punktallerdings schon im Vorhergehenden speciell berücksichtigt wurde.
Der geschlossene Wald verhält sich den auf ihn fallendenSonnenstrahlen gegenüber wesentlich anders, als eine unbedeckteFläche z. B- Sandebene, Ackerland oder Fels; in seinem Blätter-dach oder im Kronenraum der Nadelhölzer besitzt derselbe einenSchirm von sehr hohem Wassergehalt (50—70"/g) und erfordertalso bei der großen specifischen Wärme des Wassers (gegenüberSand oder Fels) zur Erreichung eines gleichen Temperatur-grades eine mehrmals größere Wärmequantität, als eine sandigeFläche oder nackter Fels. Der Wald läßt sich in dieser Hin-sicht mit einer Wasserfläche vergleichen, wie denn auch die ineinem Holzbestand oberirdisch enthaltene Wassermenge in Milli-metern Höhe pro Hektar ausgedrückt eine ansehnliche Quantitätergeben würde. Indem so der geschlossene Wald die direkteBestrahlung des Bodens verhindert, erniedrigt er dieBodentemperatur und, da die Luft bei windstillem Wetter ihreWärme durch Rückstrahlung und vorzüglich durch Leitung vonder erwärmten Erdoberfläche empfängt, so drückt er dadurch auchdie Lufttemperatur bei Tag herab, soweit diese nicht durch Windeaus entfernteren Gegenden herbeigeführt wird. Umgekehrt be-wirkt der Kronenschirm bei Nacht einen verminderten Wärme-verlust durch Strahlung und die erwärmte Wassermenge derBlätter kann wegen ihrer großen specifischen Wärme auch diesenVerlust länger decken als z. B. eine felsige oder sandige Ober-fläche. Die Wirkung des Kronenschirmes hindert alsoebensosehr eine allzustarke Erwärmung bei Tag, wieeine excessive Abkühlung durch nächtliche Strahlung