HH^Ter Einfluß des Waldes auf das Klima.
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Blätter und Kronen Hinstreichen, als wenn sie über kahles Landwehen. Die Krone des Waldes zeigt mehr ein Verhalten wieeine große Wasserfläche, sie entzieht der heißeren Luft mehrWärme (durch Verdunstung und wegen der großen specifischenWärme des Wassers) als die sandige, mit dürrem Haidekrautund Gestrüpp bewachsene Fläche der Haide oder Steppe, mehrals große Flächen voll reifenden Kornes oder abgeerndtete Stoppel-felder; ebenso erhöht der Wald die Temperatur der kälterenLuftströmungen namentlich im Sommerhalbjahr, indem letztereden Bäumen und dem Waldboden Wärme entziehen; er ver-hindert demnach einen allzu schnellen Wechsel von Hitze undKälte und macht das Klima gleichmäßiger, als jenes der baum-losen Ebenen ist. Einen weiteren bemerkenswerthen Einflußäußern größere Waldmassen auf die Geschwindigkeit undmechanische Kraft der Winde: Die Baumkronen des Waldesbilden einen sehr elastischen Widerstand gegen den Angriff desWindes und die momentane Nachgiebigkeit der Zweige undStämme, welche doch immer das Bestreben haben, in ihreursprüngliche Lage zurückzukehren, ist nach physikalischen Gesetzendas wirksamste Mittel, eine Bewegung allmählig abzuschwächen.Deshalb bilden Waldungen den unentbehrlichen Schutz vielerGegenden, welche von lokalen Windströmnngen besonders bedrohtsind z. B. in Küstengegenden, wo die über die See heranbrau-senden Stürme oft mit außerordentlicher Gewalt auftreten, oderauf Hochrücken und Wasserscheiden der Gebirge, wovon die Eifel ,die hohe Rhön , noch mehr aber der Karst bekannte und sehrbezeichnende Zeugnisse sind.
Wie schon in dem vorhergehenden Abschnitte gezeigt ist,haben die Wälder durch die große Transspiration der Blätterund Nadeln ihrer Baumkrone, sowie durch die mechanische Zu-rückhaltung der atmosphärischen Niederschlüge einen großen Ein-fluß auf die Feuchtigkeit einer Gegend. Ihre Wirkung aufdie Luftfeuchtigkeit besteht hauptsächlich darin, daß feuchtenWinden, deren Luft dem Sättigungspunkte nahe ist, durch diekältere Temperatur der Waldluft, der Bäume, Zweige und desWaldbodens leichter und ausgiebiger Wasser durch Condensationentzogen wird, als von kahlen Flächen; ferner daß trockenenWinden durch die Transspiration und die größere Bodeufeuch-
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