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Der Wald im Haushalte der Natur und des Menschen / von Rudolf Weber
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III. Der Einfluß des Waldes auf das KlHla.

tigkeit Wasser zugeführt wird, dieselben also feuchter werden;endlich daß die vorerwähnte Verminderung der Luftbewegungauch die Entführung der feuchten Lust verlangsamt und über-haupt austrocknende Winde abhält. Zwar ergaben die Beobach-tungen an den bayerischen meteorologischen Stationen, daß derabsolute Feuchtigkeitsgehalt der Lust (Dunstdruck) im Innern ge-schlossener Holzstände nicht wesentliche Verschiedenheiten von jenemauf den umgebenden Feldflächen zeigt, sondern daß nur dieWaldluft immer dem Sättigungspunkt näher, alsorela-tiv feuchter" sei; aber es ist zu vermuthen, daß in größererEntfernung von Wäldern auch der Dunstdruck sich wesentlich ver-mindere, da der Einfluß des Waldklimas sich auch auf seineUmgebung erstreckt. Waldreiche Länder zeichnen sich daher untersonst gleichen Verhältnissen vor entwaldeten Gegenden durch einegleichmäßigere Vertheilung der Luftfeuchtigkeit aus, währendletztere öfters durch extreme Trockenheit, die der menschlichenGesundheit ebenfalls so schädlich ist, als der Vegetation, zu lei-den haben. Größere Luftfeuchtigkeit hat aber noch einen sehrgünstigen Einfluß auf das Klima durch Verminderung dernächtlichen Wärmeausstrahlung. Der große Widerstand,den Wasserdunst der strahlenden Wärme entgegensetzt, macht da-her aus den Schichten feuchter Luft zugleich eine schützende Hülle,welche größere Temperaturerniedrigung durch Strahlung verhütet.Sandgegenden mit trockenem Boden und geringem Feuchtigkeits-gehalt der Lust kühlen sich daher Nachts außerordentlich ab;dasWüstenklima" zeichnet sich besonders durch die extremeHitze bei Tag und große nächtliche Kälte aus. In der Sahara ,wo die Temperatur unter Tags unerträglich heiß ist, bildet sichNachts sogar Eis, ebenso sind die großen Hochebenen Asiens wegen ihrer trockenen Luft durch große Kälte im Winter be-rüchtigt (z. B. Chiwa). Unbestreitbar üben daher große Wal-dungen in ähnlicher Weise wie die Nähe der See durch Ver-mehrung der Luftfeuchtigkeit einen günstigen Einfluß auf die Ver-minderung der nächtlichen Abkühlung ihrer Umgebung undverhüten also extreme Temperaturschwankungen.

Hiermit sind also die Ursachen besprochen, aus welchendem Wald nach den bekannten physikalischen Gesetzen ein Einflußaus das Klima zukommen muß, die wirklich sich ergeben-