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Der Wald im Haushalte der Natur und des Menschen / von Rudolf Weber
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III. Der Einfluß des Waldes auf das Klima.

und Weser , die jetzt ganz ohne Wald sind, schreibt Tacitus , daßalle Terrainerhebungen darin mit Waldungen bedeckt waren: ingleicher Weise sind die zahlreichen Haiden und Sandflächen imOsnabrückischen Gebiet nachweisbar ehemals Wald gewesen. Auchdie Rheinprovinz enthält im Eifelgebiete sehr große Oedflächen,deren Wiederbewaldung und Entsumpsung nach einem besonderenAusforstungsplan von der königl. preußischen Regierung als eineim öffentlichen Interesse liegende Maaßregel energisch in dieHand genommen wurde. Seit 1854 wurden in 10 Jahren zudiesem Zweck 107,450 Thaler blos von Seiten des Staates aus-gegeben und es betragen diese Flächen ca. 32,000 Heltar, wo-von ca. 6250 Hektor auf die gänzlich devastirtehohe Venn"treffen. Viele in ähnlicher Weise ertraglos gewordene Flächenfinden sich auch auf dem Vogelsberg in Hessen , an den Südab-hängen des Taunus, besonders auch auf der hohen Rhön undauf den Abhängen der Muschelkalkberge Thüringens . Die großenTorfmoore der bayerischen Hochebene (Dachauer, und Erdinger Moos ) sowie das sogenannteDonaumoos" sollen einst Waldungengewesen sein, während z. Z. kaum noch Spuren davon zu findensind. Im Württembergischen und badischen Schwarzwalde sindin den höheren Lagen viele kahl abgetriebene Flächen oft vongroßer Ausdehnung, die jetzt nicht einmal mehr zur Waldculturtauglich sind.

Oesterreichs Waldgebirge zeigen theilweise noch schlimmereZustände, so namentlich die schon oben erwähnten entwaldetenAlpenländer in Tyrol, Oberkärnten und Kram, aber auch ausden ungarischen, galizischen und siebenbürgischen Gebirgen kommenschon Klagen über Waldverwüstungen, deren Folgen ausgedehnteOedflächen und ertraglofe Bergweiden sind. Dehnen sich durchfortgesetzte schlimme Waldbehandlung im Laufe der Zeit die un-produktiven Flächen auf größere Territorien aus, so muß noth-wendigerweise ein Sinken des Wohlstandes und der Be-völkerungszahl solcher Gegenden eintreten, wie dies zufolgestatistischer Nachweisungen in den französischen Gebieten der Alpen und Pyrenäen bereits eingetreten ist. Da sich nemlich zu demMangel an Holz bald auch der Mangel an Feuchtigkeit imSommer und die Verwüstungen durch Gewitterschäden und Wild-wasser gesellen, so werden derartige Gebirgsgegenden in kurzer