Buch 
Der Wald im Haushalte der Natur und des Menschen / von Rudolf Weber
Entstehung
Seite
46
JPEG-Download
 

46

III. Der Einfluß des Waldes auf das Klima.

immerhin aber hat die Produktivität des Landes wesentlich ver-loren, seitdem an die Stelle der grünen Wälder die bekanntenbraunen Haide-Landschaften Schottlands und der Lancashire getreten sind und Irland einst wegen seiner herrlichenWaldungendas grüne Eiland" genannt jetzt durch seinesterilen Moorflächen eine Berühmtheit erlangt hat.

Auch der Norden und Osten Europas ist nicht frei vonBeispielen zu weit getriebener Walddevastation: Jütland und dieschwedische Küste am Kattegat sind fast ohne Wald. FinlandsReichthum an Fichtenwäldern ist durch deren üble Bewirthschas-tung bald sehr in Frage gestellt und die südlichen und östlichenProvinzen Rußlands (am Don und an der Wolga ) sind jetztschon entschieden waldarm, dagegen um so reicher an unproduk-tiven Haideflächen, was für diese Gegenden doppelt gefährlich ist,da dieselben ohnehin ein sehr regenarmes, trockenesContinental"-Klima haben und deshalb dem Andrängen der Steppenflora vonAsien her besonders ausgesetzt sind.

Verschiedene Erfahrungen und Beobachtungen ließen es schonseit langer Zeit wahrscheinlich erscheinen, daß der Wald nichtohne Bedeutung für die menschliche Gesundheit sei unddaß größere Ausrottungen der Wälder die Sanitätsverhältnissemancher Gegenden erheblich verschlechtert haben, während umge-kehrt Anpflanzungen von Bäumen oder Aufforstungen im Großenverbessernd auf die Gesundheit der benachbarten Einwohnerwirkten. Doch hat man erst in neuerer Zeit diesen Umständenein näheres Studium gewidmet und es lassen sich daher nurwenige hierüber vorliegende Angaben mittheilen. Ohne Zweifelhat die Abschwächung der Temperaturschwanknngen, die Brechungder mechanischen Gewalt des Windes oder gewisser lokaler Luft-strömungen und die Erhaltung einer gleichmäßigeren Feuchtigkeitder Luft eine wohlthätige Wirkung auf den menschlichen Organis-mus, indem namentlich die Athmungsorgane gegen grellenTemperaturwechsel, gegen rauhe, trockene Winde und gegenstaubige Luft sehr empfindlich sind. Deshalb werden Lungen-kranke aus der trockenen, staubbeladenen Stuben- und Straßen-lust der Städte in die reine, feuchtere und gleichmäßiger er-wärmte Luft der großen Waldgebiete gebracht und selbst der