III. Der Einfluß des Waldes auf das Klima.
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Gesunde fühlt den belebenden, stärkenden Hauch „der reinerenLüfte", der ihm aus dem Waldesdunkel entgegenweht. — Dochauch in anderer, weniger augenfälliger Weise übt der ge-schlossene Hochwald einen wichtigen Einfluß auf die Gesundheitsver-hältnisse mancher Gegenden aus. Man machte nemlich inItalien , in Frankreich und in manchen amerikanischen Staatendie Bemerkung, daß die Fieberlust (nmlsria) allmählig unge-fährlicher werde und selbst verschwinde, sobald die sumpfigenOrte künstlich aufgeforstet wurden. Namentlich soll in derSologne (südlich von Orleans ), welche früher wegen ihrer Fieber-lust gefürchtet war, seit deren Wiederbewaldung ein gesünderesKlima wiedergekehrt sein; die ausgedehnten toskanischen Sümpfe(Maremmen) werden durch die dortigen Sanitätsbehörden inähnlicher Weise mittelst Pappelpflanzungen bewohnbarer und ge-sünder gemacht. Von den großen Sümpfen in Virginien undCarolina (Verein. Staaten) wird versichert, daß ihr Klima so-lange sie mit Wald bedeckt sind, den europäischen Einwanderenganz ungefährlich sei; sobald aber die Wälder gefällt sind, be-ginnt die nun ungehindert auf den Boden einwirkende Sonnedie Fieberluft auszubrüten und die Lust wird ungesund. AusIndien wird berichtet,, daß die Wälder dem Fortschreiten derCholera sichtlich ein Hinderniß entgegenstellten.
Seit Entdeckung des Ozon's (einer wahrscheinlich durchElectricität verursachten Modifikation des gewöhnlichen Sauer-stoffs) glaubte man die Ursache dieses merkwürdigen Verhaltensder Bäume und Wälder darin suchen zu müssen, daß der vonden grünen Blättern unter Tags ausgeschiedene Sauerstoff indiesem! elektrischen Zustand sich befinde, also „Ozon" sei. DirekteBeobachtungen des Herrn Professors l)r. Ebermayer haben aberdiese Ansicht widerlegt, dagegen gezeigt, daß der Wald vermuth-lich in Folge der größeren Luft- und Bodenfeuchtigkeit, welcheer verursacht, eine Quelle von Ozon sei und daß in ihm dieZerstörung des Ozon's (d. h. seine Umbildung in gewöhnlichenSauerstoff) nicht so rasch von statten gehe, als in der Nähe derStädte und Wohnungen. Die Luft der Städte enthält nachdiesen Untersuchungen im Durchschnitt oft kaum den dritten Theildes Gehaltes an Ozon als wie die Luft in der Umgebung großerWälder. Aus diesem Grunde läßt sich auch der Zusammenhang