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Der Wald im Haushalte der Natur und des Menschen / von Rudolf Weber
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57
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L. Produktionsverhältnisse des Waldgewerbes.

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der Jungwüchse und der noch nicht nutzbaren älteren Beständedurch irgend welche Betriebsoperation veranlaßt werden, viel-mehr sind solche Bestände durch sorgfältige Ausführung der Be-st and spflege, Reinigungen und Durchforstungen in ihren Zu-wachsverhältnissen möglichst zu heben. Endlich dürfen nichtwerthvollere und nutzbringendere Holzarten des Mate-rialvorrathes durch minder gewinnbringende oder den Standorts-nnd Bedarfsverhältnissen weniger angepaßte ersetzt werden. DerForstbetrieb gleicht daher in dieser Hinsicht der Nutznießung einesKapitals, dessen Zinsen consumirt werden dürfen, während derKapitalstock unversehrt erhalten werden muß. Das Gegentheileines nachhaltigen Betriebes istRaubwirthschaft", wobei dieGrundlage der Produktion selbst angegriffen wird. Dieselbeführt zu immer weiter gehender Verminderung der Material-vorräthe, Verschlechterung des Bodens und endigt schließlich mitDevastation" d. h. Vernichtung der dauernden Grundlagen desWaldgewerbes.

Bei der Beurtheilung der Produktion eines Gewerbes kommenferner noch die möglichen Gefahren oder das Risiko inBetracht. Die Waldwirthschaft erzeugt zwar mit großer Sicher-heit alljährlich einen seiner Größe nach mit ziemlicher Genauig-keit zu berechnenden Material-Ertrag (Zuwachs); allein diebedeutenden Holzvorräthe, welche im Waldkapitale stecken, sindwährend der langen Umtriebszeit einer großen Zahl von Gefahrenausgesetzt. Bald bedrohen Elementarereignisse (Sturmschaden,Schnee- und Dustbruch, Hagel, Waldbrände) bald Jnsektenver-herrungen die Existenz des Waldes, oft auch ist der Menschselbst sein Feind, indem durch ihn veranlaßte Beschädigungen derJungwüchse, Harznutzung oder Forstfrevel der verschiedensten Artgroßen Schaden verursachen. Immerhin aber ist das Risiko desForstbetriebes im großen Durchschnitt geringer als jenes derLandwirthschast und besonders als jenes der Fabrikation.

Wie schon oben erwähnt, ist es ein wesentliches Erfordernißder Produktion, daß der Aufwand an Kapital und Arbeit zumZweck der Hervorbringung von Gütern mindestens durch denWerth des Produktes gedeckt werde, d. h. das Bedürfnißmuß so dringend oder die Nachfrage der Consumenten so großsein, daß sich der Aufwand lohnt. Im entwickelten Verkehrs-