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IV. Die wirthschaftliche Bedeutung des Waldes.
kehrsstockungen z. B. in Kriegsjahren, wo der Kohlenbezug zurUnmöglichkeit wird. Aus allen angeführten und noch manchenanderen Ursachen sehen wir daher selbst in den an Kohlengebietennächstgelegenen Gegenden den Brennholzconsum keineswegs auf-hören, vielmehr zeigen gerade diese oft sehr hohe Brennholzpreise.Denn die Conkurrenz nöthigt den Waldbesitzer zu einer mög-lichst intensiven Nutzholzwirthschaft, welche mit speculativem Blickdie Preisbewegungen der einzelnen Sortimente verfolgt undihren Nutzungsbetrieb darnach zu regeln sucht. So erwächst alsoaus dieser Conkurrenz der fossilen Brennstoffe für die öffentlicheWohlfahrt der Vortheil, daß an die Stelle der Holzverschwen-dung allmählig eine ökonomische Sparsamkeit der Consumentenund eine rationelle Ausnutzung von Seite des Produzenten tritt.Weit entfernt also, daß die Stein- und Braunkohlen die Wälderentbehrlich machen, — wie eine Zeit lang Mauche zu glaubengeneigt waren, — kann man im Gegentheil behaupten, daß ohnedie Entdeckung derselben die Erhaltung des Waldes invielen Gegenden fast unmöglich gewesen wäre, denn beieinem so enormen Zuwachs der Bevölkerung, wie ihn die neuereZeit ausweist, ist es schwer einzusehen, woher die außerordent-liche Steigerung des Brennholzbedarfs ihre Deckung hätte findenkönnen, ohne zur Vernichtung der Wälder zu führen. Die
Kohlenzechen haben das vor hundert Jahren schon drohende Ge-
spenst des Holzmangels einstweilen verscheucht.
Bei weitem wichtiger als das Brennholz ist das Nutz-holz und seine rationelle Gewinnung, Zurichtung und Verwerthunghinsichtlich der Erzielung des höchst möglichen Gewinnes ausdem Waldgewerbe, doch können hier ebenfalls nur die allgemei-nen Gesichtspunkte hervorgehoben werden, da das Detail dieses
Gegenstandes den Stoff der Forstbenutzung bildet.
Während bei dem Brennholze nur seine große chemische Aff-inität zu dem Sauerstoff der Atmosphäre d. h. die Kraft, welcheals chemische Differenz in demselben aufgespeichert ist, den Grundseiner Werthschätzung bildet, hat im Gegentheil die Verwendungdes Nutzholzes nur das Holz als Stoff zum Gegenstände, dessenphysikalische und chemische Eigenschaften, Struktur- und äußer-lichen Formverhältnisse eingehende Würdigung finden. Das ge-ringe specifische Gewicht des Holzes gegenüber Metall und