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IV. Die wirthschaftliche Bedeutung des Waldes.
durch Streumaterialien, die aber in schonender Weise und auK.den oben bezeichneten Oertlichkeiten ohne Schaden entnommenwerden müssen, nicht von der Hand gewiesen werden kann,so läßt sich aber keineswegs eine regelmäßige und nachhaltigeAbgabe der Bodenstreu durchführen, wie durch die gemachtenErfahrungen nachgewiesen ist. Auf der andern Seite ist auchder landwirthschaftliche Werth der Streu bedeutendüberschätzt worden und zwar zum eigenen Schaden der Land-wirthschaft. „Laub macht das Land taub", sagt ein alterSpruch, der den Oekonomen vor allzu starker Anwendung diesesStroh-Surrogates warnt, und wirklich liegt darin eine be-herzigenswerthe Wahrheit. Wenn nämlich der Landwirth glaubt,,in der Waldstreu ein kräftiges Düngemittel zu beziehen, so irrter sich sehr; zwar haben wir oben der günstigen physikalischenWirkungen der verwesenden Streu und des Humus gedacht,dieselbe auch als Kohlensäurequelle im Boden gewürdigt, aberals Ersatzmittel für die durch landwirthschaftliche Erträgnissedem Boden entzogenen Stoffe (Aschenbestandtheile und Stickstoff)hat sie nur untergeordnete Bedeutung und kann in dieser Be-ziehung durch Hülfsdünger (Kalidünger, Superphosphate, Knochen-mehl, Guano) auf viel billigere und ausgiebigere Weise ersetztwerden.
Betrachten wir zunächst, um einen klaren Einblick in diese,Frage zu gewinnen, die Mengen der Aschenbestandtheile, welcheder landwirthschaftliche Betrieb in seinen Erndten jährlich demBoden pro Hectar entzieht und vergleichen damit die in demStreuertrag pro Hectar enthaltenen Stosse, sowie die zur jähr-lichen Holzproduktion pro Hectar aufgewendeten Aschenbestand-theile, wie diese in folgender Tabelle nach Angaben von I)r. W.Knop's Agrikulturchemie und nach Dr. Wolff's Zusammenstellungder Aschenanalyse vom Verfasser berechnet wurden:
Es enthalten nämlich folgende Erndteergebnisse pro Hectarim Durchschnitt die beigesetzten Mengen der wichtigsten Nährstoffe: