L. (Konsumtion der Waldprodukte.
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Hinsicht zu erfüllen. Ausgedehnte Krüppelbestände kühlendie Luft nicht ab, wie andere Wälder, weil sie den Boden nurhöchst unvollkommen beschirmen, und während sie unfähig sind,Reservoirs der Feuchtigkeit zu bilden, lassen sie auf der andernSeite jeden starken Regen gleich einer Dachfläche abrinnen.Dürre und Gewitterschäden oder Ueberschwemmungen sind daherin den durch Streunutzung devastirten Waldgegenden ähnlich dieständige Gefahr, wie in den entwaldeten Ländern. Namentlichin den Sandsteingebirgen (Schwarzwald , Vogesen , Haardt ,Spessart , Odenwald , Thüringen ) zeigt es sich, welch' geringenSchutz die gänzlich ausgerechten Wälder gegen Bodenabschwem-mung bieten, da sich öfters ganze Erdabrntsche an den steilerenAbdachungen wiederholen.
Es hat sich mithin in allen Gegenden wo eine intensive Streu-nutzung getrieben wird, ganz klar herausgestellt, daß dieselbe inder bisherigen schonungslosen Weise unmöglich fortgeführt werdenkann, daß also der Wald nicht im Stande sei, auf die Dauereine Quelle von Düngerstoffen für die Landwirthschaft zu bilden.Wollte man auch gegen die Lehren der Erfahrung absichtlich dasAuge verschließen, so würde die Natur selbst den Versuch, dasUnmögliche zu verlangen, mit dem Ruin der Wälder beant-worten und so das Aufhören der Streuentnahme von selbst her-vorrufen.
Will also die Landwirthschaft nicht auf alle übrigen Bezügeaus dem Wald verzichten, deren sie doch in Form von Brenn-holz, Bau-, Werk- und Kleinnutzhölzern der verschiedensten Artdringend bedarf, so muß sie bei Zeiten eine Selbstständigkeitin der Düngerproduktion anstreben. Dieser Uebergang von einemWirthschaftssystem, dessen Basis die Devastation der Wälderbildet, zu einem neuen, auf rationellen Ersatz der Düngerstoffe,auf Sparsamkeit in der Erhaltung der wichtigsten selbst produ-zirten Dünger (z. B. der Jauche) und auf zweckentsprechendeBodenkultur gegründete System wird freilich in den betreffen-den Gegenden harte Kämpfe mit dem Unverstand und dem her-vorgebrachten Schlendrian herbeiführen, aber er ist unaufschiebbarund von der Natur selbst dringend geboten.
Wenn auch in Nothjahren mit sehr geringem Futter- undStrohertrag eine aushilfsweise Unterstützung der Landwirthschast