252 TAB. CLXIV.
chmeißt.) Jer. 23, 29. Sihe/ ſagt GOTTn de„Ich will daͤſelbſt vor dir auf ei-nem Felſen in Horeb ſtehen/ da ſolt duden Felſen ſchlagen, ſo wird Waſſer her-aus lauffen, das das Volck trincke;Waſſer war es, und keine fluͤſſige Glaß Ma-reri, worinn etwa ſonſten die harteſte Felſendurch hefftiges Feuer mochten zerſchmeltzet wer-den: Trinck⸗Waſſer: Ein vor allemal iſt hierein Wunder geſchehen, man mag ſich hin undher wenden wie man will, dann gewißlich dieVerwandlung ſelbſten, wodurch Stein zuWaſſer worden, ohne Wunder nicht zu be-greiffen iſt, anerwogen diejenige Theile, die ei-nen Felſen ausmachen, ihrer Natur und inner-lichen Beſchaffenheit nach von denen waͤſſeri-gen gantz und gar unterſchieden ſind, ſo daßungeachtet aller angewendeten Natur ⸗Kraͤff-ten und Kuͤnſten dieſe in jene niemals zu ver-wandlen ſtehen; ſolte gleich ein Felß durchMittel eines in der transcendental. chymie, unduber hoch getriebenen Brenn⸗ und Schmeltz-Kunſt zu ſuchenden allgemeinen menſtrul flüſ-ſig gemacht werden konnen, waͤren dieſe fluͤſſi-ge Theile dennoch ſteinern, und wuͤrden ihreurſpruͤngliche Natur ſo wenig verlaſſen, alsdas vom Scheid ⸗Waſſer aufgeloͤßte Silber,oder das von Regal⸗Waſſer zerlaſſene Goldeine andere Natur an ſich nimmt, alldieweilendieſe Metall ſo gar zu ihrer vorigen Ge-ſtalt wiedergebracht werden koͤnnen. Auchwaͤre es vor kein geringer Wunder zu achten,wenn man ſagte, es waͤren durch GoͤttlicheVorſorge alle unterirꝛdiſche Waſſer⸗Gaͤngevon a e in dieſen Felſen gefuͤhretworden. Ein wahres Wunder, wenn GOTTdieſe haͤuffige Waſſer neuer Dingen in ſolcherMenge erſchaffen, daß eine mehr als Zahl rei-che Armee mit allen Zugehoͤrden davon genuͤg-lich trincken konnte. 5 3Man will faſt nicht zweiflen, daß die Hey-den hievon etwas erfahren, jedoch zerſtuͤm-melt vorgetragen; Tacitus fabelt, da Moſemit ſeinem Volck haͤtte Durſt ſterben wollen,haͤtte er einen Hauffen wilder Eſel geſehen, dieauf die Hoͤhe eines Felſens geklettert, derenSpur er gefolget, und reiche Waſſer⸗ Aderngefunden habe; Votlius ſucht die Merckmalein denen Bacchis des Euripidis, woſelbſten ſte-het, daß eine Bacchus-Prieſterinne mit einemmit Epheu umwundenen Stecken an einenFelß des Berges Eytheron geſchlagen, auswelchem ein Strom herfuͤr geſchoſſen. Hue.tius will den Urſprung der Geſchichten vonPriapo und Jano daher leiten, weilen ſie demerſten die Krafft Brunnen zu entdecken beyle-gen, vom andern fuͤrgeben, daß er Waſſer auseinem Felſen herfuͤr gebracht. S. Saurin.LXII. Diſc. uber die 5. Buͤcher Moſis.Bedencklicher aber iſt, daß GO T' dieſesWunder durch Moſen zu zweyenmalen ausge-üͤbet habe, geſtalten man die zweyte Geſchich-
2. Buch Moſis Cap. 17. verſ. 1- 6.
te liſet J. B. Moſ. 20% v. 1 17. Das erſtefaͤllt ins erſte Jahr der Iſraelitiſchen Wander-ſchafft, das andere in das zoſte, jenes gehoͤrtin die Eilffte, dieſe in die 33ſte Lagerſtatt,wenn man behoͤriger maſſen die gantze Reyſein 42. Lager⸗Stellen abtheilet; Einige Aus-leger haben ſich feſte beredet, daß die beydenGeſchichten einerley ſeyen, weil ſie in denenmeiſten Umſtaͤnden uͤbereinſtimmen, und hal-ten die im 4. Buch in mehrer Anzahl befindli-che vor weitere Zuſaͤtze und Ausfuͤhrungen;allein wenn man genaue Achtung gibt, wirdſich ein mercklicher Unterſcheid aͤuſſern; dennauſſer deme daß ſie ſich offenbahrlich zu unglei-cher Zeit begeben, ſo iſt noch zu wiſſen, daß inder letzten Geſchichte das Wunder, nicht wiehier vor den Elteſten alleine, ſondern vordem gantzen Volck geſchehen: Nimm denStab, ſpricht G0 T v. 8. und 10. zu Moſe,und verſam̃le die Gemeinde, du und deinBruder Aaron/ und redet mit dem Fel-ſen vor ihren Augen, der wird ſein Waſſergeben; alſo ſolt du ihnen Waſſer ausdem Felſen verſchaffen(bringen,) unddie gantze Gemeinde und ihr Viehe traͤn-cken: und Moſe und Aaron verſammle-leten die Gemeine fuͤr den Felſen/ und erſprach zu ihnen: Soͤret ihr Wider-ſpennigen(Ungehorſaͤmen) werden wireuch guch Waſſer aus dieſem Felſen ver-ſchaffen(bringen?) Hier ſchlug Moſe denFelſen nur ein⸗dorten aber ʒzweymal mit ſei-nem Stabe, beym erſten vollſtreckte Moſeden Goͤttlichen Befehl richtig, und ſtehetnichts von einigem Unglauben oder Mißtrau-en, dorten aber wird der betruͤbte und un-gluͤckſeelige Zufall mit lebendigen Farben ab-gemahlet, wovon der HERR ſagt zu Moſeund Aaron: Weil ihr nicht an mich ge-glaubt habt, daß ihr mich vor den Kin-dern Iſrael heiliget/ ſollet ihr dieſe Gemei-ne nicht ins Land bringen, das ich ihnengeben werde, v. 12. Über diß geſchahe dasletztere in der Wuͤſten Zin bey der Stadt Ka-des(nicht Kades Barnea, 5. B. Moſ. 32.)an den Edomitiſchen Graͤntzen; dieſe hingegenin der Wuͤſten Sin auf dem Berge Horeb;
folglich giengen ſie vor an zwey unterſchiedli-
chen Felſen, Orten, Zeiten. Dahero derPſalmiſt ſpricht Pf. 78, 15. Er hat denFelſen(eigentlich Zürim die Felſen) in derWuͤſten ʒerſpalten und ſie getraͤnckt alsaus einer groſſen Tieffe,(Ebr. denen Tief-
fen.) äDie Geiſtliche Bedeutung ſowohl des Him-
mel⸗Brods als Wunder⸗Waſſers uͤberlaſſe
ich denen Bemuͤhungen der GOttes⸗Gelehr-
ten, nach Anleitung Pauliniſcher Vermah-nung 1. Cor. 10, I. 4. Sie haben alle einerleyGeiſtliche Speiſe geeſſen/ und haben alle ei-nerley Geiſtlichen Tranck getruncken: dennſie truncken von dem Geiſtlichen Fele
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