Band 
Erste Abtheilung.
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2. Buch Moſis Cap. 22. verſ. 31. 2c. Tak. LXIX. 265

Andere haben den Fund erdacht, die Milchder Mutter muͤſſe die ſaͤugende Mutterſelbs bedeuten welchemnach das Bockleinin, mit oder bey der Murter Nulch kochen,ſo viel heiſſe als das Boͤcklein ſamt derMutter kochen, die daſſelbe geſaͤuget; aufdieſen Schlag oder Fuß verbiete GOTT, 3.B. Moſ 22, 28. einen Ochſen oder Lammmit ſeinen Jungen auf einen Tag zuſchlachten. 5. B. Moſ. 22, 6. die VogelMutter mit den Jungen aus dem Neſtzunehmen; allein dieſe üneigentliche Red⸗Art,ſo man Hypallagen nennet, iſt allzu hart, dennwo diß der Verſtand und Abſicht ſolches Ge-ſetzes waͤre, und eine ſolche Verwerfung oderAenderung der Buchſtaͤblichen Bedeutungſtatt haben muͤßte, ſo wuͤrde viel natuͤrlich-und verſtaͤndlicher geweſen ſeyn, wenn der

Geſetz⸗Geber nicht die Milch der Mutter,

ſondern die Mutter ſelbſten wuͤrde angezeigtund ausgedruͤcket haben. f

Ulbrig iſt noch einige und zwar ſo leichte alseinfaͤltige Erklaͤrung, daß man das Boͤckleinnicht in der Mutter Milch kochen ſolle;

dieſe hat dem Hern Bochart eingeleuchtet, ob

ſchon dergleichen Zurichtung etwas ſehr unge;woͤhnliches geweſen; Jedennoch gibt unsAbenezra Nachricht, daß es noch in neuerenZeiten bey denen Iſmaeliten zu geſchehen pfle-ge; auch erſihet man bey Thoma prima ſe-

cundæ quæſt. 102. art. G. daß die Heyden bey

ihren Goͤtzen⸗Dienſten die in der Mutter-Milch gekochte Boͤcklein geopfert und gegeſſen;allein es mangeln die ſichere Beweißthuͤmeraus dem glaubhafften Alterthum; Inzwiſchenobgleich dieſelbe annoch abgehen, iſt doch ſehrwahrſcheinlich, daß hier auf einen HeydniſchenGebrauch geſehen und demſelben fuͤrgeſetzet

werde; anerwogen in denen Schatten⸗ undGebraͤuch⸗Geſetzen mehr dergleichen Sachenvorkommen, deren Urſachen und Bewegniſ-ſen ſo genau nicht bekandt ſind; Als 5. B.Moſ. 25/ 4. Du ſolt dem Ochſen wenner troͤſchet der da driſchet) das Maulnicht verbinden. 5. B. Moſ. 22, 10. Duſolt nicht auf einmahl(zugleich) mit ei-nem Ochſen und Eſel ackern. 3. B. Moſ.22% 28. Ihr ſollet keinen Ochſen oderLamm mit ſeinen Jungen auf einen Tagſchlachten. J. B. Moſ. 22, 6. ſihe oben. Eswerde nemlich verbotten, was nur einigermaſſen nach einer Grauſam⸗ oder Unbarmher-tzigkeit zicket oder reucht, damit wir die Freund-lichkeit und Erbarmnis gegen unſern zum Eben-Bilde GOTTES mit erſchaffenen Neben-Menſchen hieran lernen moͤgen; man koͤnnegegen Todte gleich ſo wohl Grauſamkeit uͤbenals gegen Lebendige; andere und mehrere beyobgeruͤhmtem Bochart in gutem Vorrath aus-geſetzte Betrachtungen will ich allen Fleiſſesſetzo vorbey laſſen. e

Sonſten gehet dieſes gelehrten Mannes Er-klaͤrung dem Hern Clerc nicht ein, als welcher,ob zwar mit weit ſchwaͤcheren Gruͤnden zu be-haupten trachtet, daß denen Juden alle dasverbotten worden, was die Egypter und Ara-ber dem Baccho und Oſiridi zu Ehren geopfert,benandtlich ein in der Mutter Milch gekochtesBoͤcklein zur Gabe und Opfer zubringen; Er

gibt zwar zimlich guten Beweiß, daß Oſiris

und Bacchus einerley, auch dem Baccho einBoͤcklein geopfert worden ſeye; darzu aber iſter den Beweiß annoch ſchuldig, daß bey ſol-

chen Opfern ein Boͤcklein in der Mutter⸗Milch

gekocht worden ſeye.

En dunckeles Geſetz wird ſicher ſo erklaͤrt/

Wie es die Heiligkeit und

Liebe GTE lehrt;

Was zur Geſundheit dient, und Grauſamkeit verwehrtWas GOL CE&& Eigenthum von Heyden⸗ Sitten kehrt:Und dann/ was billich iſt in allen Dingen mehrt.

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