Band 
Erste Abtheilung.
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2. Buch Moſis Cap. 25. verſ. 17. TAB. CLXXIII. 275

Wurm/ welches zu erklaͤren Dioscorides L.IV. Beyhuͤlffe thut, allwo Coccus tinctoria,nonaos Gacpue ein kleines Staͤudlein iſt, an wel-chem ate, grana, Koͤrner wie die Linſen auf-wachſen. Plinius J.. XVI. C. 8. nennet ſieCusculia, das iſt G ννοονα, weil ſie von derRinde abgeſchaben oder geſcharret werden,dann der Griechen e heiſſet kleine her-vorwachſende Dinge abſchneiden, winutias

excreſcentes præſecare; denn nach Salmaſii

Bericht, wenn er uͤber Solinum Anmerckun-gen machet. liegen in ſolchen Koͤrnern oder War-tzen kleine Wuͤrmlein, in welchen die geſuchtehochrothe Farbe ſtecket; daraus die Red⸗Artder Alten erwachſen, wenn ſie den Wurm anſtatt der Farbe ſelbſten genennet haben. AlteBeyſaͤtze oder Wort⸗Erklaͤrungen ſagen s;vermiculus, b Galli, vermicula, hoc coc-cum. Bey Plinio L. XXIV. heiſſet die Pflan-tze ſelbſten len. Es waͤchſet, ſpricht er inAfrica und Aſia eine Art, llex ſcolecios ge-nandt, welche ſich gar leichtlich in ſolchesWuͤrmlein verwandelt. Bey etwas juͤngernGriechen wird auch, ein Wurm zumehrmalen pro cocco genommen: nehmlichin dem falſchbenahmten und Democrito bey-gemeſſenen Wercke de purpuræ tingendæ ra-tione, cn Turi, chef d crogcpigleg Vor ei-ne hohe Purpur⸗ oder Scharlach⸗Farbe ausdem Lande der Galater. Die Lateiner habenſich gleichermaſſen nicht enthalten das WortVermis, Wurm, zuſetzen, wenn ſie die Farbeandeuten wollen; alte Woͤrter⸗Kraͤmer mah-len Fucus und Vermiculus an den Rand; da-her hat ſich die Ausdruͤckung entſponnen ver-mitinctum, womit man etwas meynet, ſo useinem Wurm gefaͤrbet iſt. Gleichen Sinnund Abſicht fuͤhret das Arabiſche Wort Kir-miz, Kermez. Alkamus ſaget, Alkermezſeye eine Armeniſche Farbe, welche aus Wuͤr-mern gemacht wird; und Sariph, es bedeuteein Thierlein, welches auf der Ilex lebet, ſo ei-ne Art von kleinen Eichen iſt. Ein vor alle-mal ſcheinet klar genug zuſeyn, Kermen ſeyeder Griechen Kere Gapun, Coccus baphica,und daß eben dieſes Wort zugleich das Wuͤrm-lein weiſe und das Korn oder Knoͤttlein, wel-ches ihme zur Wohnung dienet; ſonſten ſtam-met wuͤrcklich von dieſen Wort Kermezi, oderCaramis, her der Frantzoſen cramoiſi, der Teut-ſchen Kermeſin, wie Cochenille von demCoccinel· Wuͤrmlein, Coccus, und das Fran-oͤſſche Vermeil von vermiculo, einemuͤrmlein Bochart Hieroz. P. II. L. IV. c. 27.Damit iſt ebenfalls der Tuͤrcken Kyrmyz

verbunden, dadurch ſie den Kermeß⸗ Kern und

Wurm zu erkennen geben; der Polacken Kär-mäzyn, kärmazy nova jagoda; gquch die Ker-meſin⸗Farbe heiſſet in Tuͤrckiſcher Sprachekyrmyzy, in der Polniſchen karmazy nowyfarby, und Czervony bey Meninzk. Lex.

3678. gAus der neuern Natur Wiſſenſchafft be-

kommt unſere vor Handen habende Sache einhelles Licht; man findet nach Beloni BerichtObſ. L. I. c. 18. nicht nur in der Inſul Cretaund dem gelobten Lande eine groſſe Menge ſol-cher Art von Eichen oder Stauden, woran dieſeKermes⸗Linſen hangen, ſondern es waͤchſet auchin Prouence, Languedoc, Portugall, Spanien,Welſchland hin und wieder an rauhen wildenOrten eine Gattung Stech⸗Eichen die manScharlach ⸗graͤn/ Frantzoͤſiſch Languiscola,Ilicem aculeatam cocci glandiferam nennet,und J. B. Ilicem coccigeram. Eine Staude,welche kaum uͤber 2. Ellen hochſteiget, von klei-nen, ſtechenden, beyderſeits glatten, aber nichtfriſch⸗ oder ſattgruͤnen Blaͤttern, Kaͤtzlein⸗foͤr-migen Blumen, groſſen Eicheln/ rauhen Knopf;daſelbſten, wo ſonderlich Blaͤtter oder Aeſtleinherfürkommen, wachſen kleine Wartzen, Buͤ-ckelein oder Knoſpen, welche anfaͤnglich gruͤn,folgends roth ſind, zu erſt weich zu fuͤhlen,nachgehends aber, ſo ſie haͤrter und feſterworden, gewiſe abgelegte Eylein beherber-gen, woraus Aſchen⸗Farbe Mucken entſprieſ-ſen, die nach dem ausfliegen ihre Behauſungledig und leer ſtehen laſſen, und weder zumFarb⸗noch Artzney⸗ Gebrauch ferner taugen.Denn es verfertigen die Aertzte aus mehrbe-meldeten Scharlach⸗ Beeren oder Koͤrnerndie ſo genandte Alkermes⸗Confection. DieMucken legen ihre Eylein zur Herbſt⸗Zeit ingewiſſe Loͤchlein, die ſie mit ihrem Stachel indie Rinde eingegraben oder eingebohret; Neh-met die Nahrung mehrers zu, ſo wachſen die-ſe Eylein im naͤchſtfolgenden Fruͤhling zuWuͤrmlein, woraus endlich Mucken wer-den. Die Farbe ſelbſten machet man aus de-nen Eylein oder annoch unzeitigen Wuͤrmlein,maſſen ſie voll Scharlach rothen Safftesſind; Weit deutlicher wird alle dieſes durchden Fleiß des Welt⸗ beruͤhmten Herꝛn GrafenMarſigli Annotazion intorno alla grana deTintori detta Kermes, aus welchem Fig. 5.die Coccus- Staude, oder Scharlach⸗Eich-lein darſtellet, woran ccc. die Wartzen oderKermes⸗Koͤrner darſtellen, welche an denenAeſtlein der Blaͤtter herfuͤr wachſen, und mitbloſſen Augen zu ſehen ſind; die folgende Fi-guren ſind aus belobtem MarſiglianiſchenWercke entlehnet worden.

Dae Schoͤpfers Weißheit muß aus jedem Werck erhellen,Mit nichts geachtem Ding kan ſie den Pracht beſtellen:

Sie macht ein Wartzen⸗Korn, ein Kylein/ Wurm und Muͤcken/Und ziert das Heiligthum mit bunten Scharlach Stuͤcken.

Kan diß GC durch den Wurm; wie kan er ſeine Ehren,Mit Seele, Leib und Blut der Wenſchen dann vermehren!

Aaaa 2 TAB.