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Die Bevölkerungsstatistik der schweizerischen Eidgenossenschaft und ihrer Kantone, unter steter Vergleichung mit den analogen Verhältnissen anderer Staaten : ein Beitrag zur Kenntniss der physischen und socialen Zustände der Schweiz / nach offiziellen Daten für Aerzte, Beamte, Geistliche u.s.w. bearbeitet von Dr. Wilhelm Gisi
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weniger dicht gedrängten, allein in hygieinischer Beziehung sehr nachteiligenLeben in dumpfen, rauchigen Baracken auf dem Lande weit vorzuziehen ist.

4. Doch auch die Behausungsziffer ist für uns kein untrüglicher Maassstab fürdie Kenntniss der socialen und hygieinischen Zustände einer Bevölkerung, da wirdazu vor Allem die Bauart, die Höhe und den Inhalt der Häuser kennen müssen,Angaben, welche bisher selten bei den Volkszählungen gemacht worden sind,unsers Wissens, wenn wir von der Zählung der Fenster und Thüren (ouvertures)in Frankreich für die diesfällige Steuer absehen, einzig in Belgien 1846, wo dieHäuser nach Stockwerken, also nach der Höhe, und in der Schweiz 1860, wo diebewohnten Räumlichkeiten (also Wohnzimmer und Küche, auch Dachböden undKeller, wenn sie als Wohnungen benutzt wurden) unterschieden wurden. Dadurchsind wir in den Stand gesetzt, wie früher die BehausungszifFer, d. h. das Ver-hältniss der Häuser zur Bevölkerung, so auch die Wohnlichkeitsproportion, d. h.das Verhältniss der Häuserzahl zur Zahl der bewohnten Räumlichkeiten und dasVerhältniss der Bevölkerung zu dieser letztem milzutheilen.

Wenn wir früher fanden, dass in der Schweiz durchschnittlich auf 100 Be-wohner 14 Häuser kommen, oder durchschnittlich 7% Seelen ein Haus bewohnen,so ist damit noch nicht die Frage entschieden, ob die Häuser den zur Beherbergungjener Zahl nölhigen Umfang und Raum haben; worin schon von vorneherein inden Kantonen wegen der ausserordentlichen Verschiedenheit der Wohnungen selbstgrosse Verschiedenheiten sich werden nachweisen lassen, wenn auch die hierübergesammelten Daten weniger zuverlässig sind, als alle übrigen bei der letzten Zählungerhobenen, weil unverkennbar die Furcht vor Einquartierungslast vielerorts auf-fällig geringe Angaben veranlasste.

Die sämmtlichen 347,32" Häuser in der Schweiz enthielten 2,016,150 bewohnteRäumlichkeiten, und zwar die 53,281 in den Städten über 3000 Seelen 430115,die übrigen 294,046 Häuser 1,586,035, so dass die mittlere Zahl dort 8,07, hier 5,39,im Ganzen 5,80 betrug, und also das schweizerische Haus, wenn auch nicht com-fortabel, so doch gross genug ist, um eine mittlere Bewohnerzahl von 7% Seelen,worunter durchschnittlich 3 — 4 Kinder, erträglich zu beherbergen. Wie wenig nunaber eine günstige Behausungsziffer stets einer günstigen Wohnlichkeitsproportionentspricht und umgekehrt, ergibt sich aus den Verhältnissen zweier Kantone, derenNachbarschaft schon, noch mehr aber deren analoge volkswirthschaftliche Ver-hältnisse sie zur Vergleichung sehr passend machen, ln Obwalden beherbergtdurchschnittlich ein Wohnhaus nur 6,28, in Nidwalden dagegen 7,76 Individuen,also 1% mehr. Wohnen aber desshalb die Obwaldner geräumiger und ge-mächlicher (im eigentlichen Wortsinne)? Mit nichten! Da dort ein Haus durch-schnittlich nur 6,15, hier dagegen 8,15 bewohnte Räumlichkeiten enthält, also um2 mehr, was jenes Plus mehr als compensirt. Ebenso verhält es sich auch mitdenjenigen Kantonen, die auf beiden Scalen die Extreme bilden. Allerdings wohnenim Kanton Genf durchschnittlich 12,17 Individuen in einem Haus, in Graubündennur 5,37, allein jene wohnen in 8,69, diese nur in 4,87 Zimmern. So werden wirdenn auch muthmaassen dürfen, dass wenn in Preussen 100 Individuen durch-schnittlich 23 Häuser zur Verfügung stehen, während in der Schweiz nur 12%,diese letztem viel umfangreicher sein werden als jene, wenn wir freilich dies auch