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Die Bevölkerungsstatistik der schweizerischen Eidgenossenschaft und ihrer Kantone, unter steter Vergleichung mit den analogen Verhältnissen anderer Staaten : ein Beitrag zur Kenntniss der physischen und socialen Zustände der Schweiz / nach offiziellen Daten für Aerzte, Beamte, Geistliche u.s.w. bearbeitet von Dr. Wilhelm Gisi
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endlich von Schritten zur Verhinderung-, dass Familien ohne die nöthigen Sub-sistenzmittel auswandern, und von fortwährender Unterstützung der schweizerischenHilfsgesellschaften im Auslände gemäss den Postulaten der h. Bundesversammlungvom 23. Juli 1855 und 25. Juli 18 5 6, 37 zumal mit zwei auf die Auswanderungbezüglichen Tractanden sich zu beschäftigen. Einmal mit einer wiederholten Be-schwerde der Unionsregierung wegen der zumal in der Schweiz üblichen Ab-schiebung von gänzlich Unbemittelten, von verdächtigen Subjecten, ja sogar vondazu begnadigten Verbrechern, welche zusammen nach demoffenen Briefe desConsuls Wolff in Basel an den schweizerischen Auswanderungsverein im März 1867einen Drittheil aller schweizerischen Auswanderer bilden, so dass der Bundesrathoft, so am 19. Februar 1855 und neuerdings wieder am 13. August 1866 dieKantonsregierungen sowohl im Interesse der Humanität, als wegen des gutenNamens der Schweiz, endlich im wohlverstandenen eigenen Interesse der Schweiz.Gemeinden selbst nachdrucksamst warnte, wenn auch jene Klagen übertriebengewesen sein mögen. 38 Dann mit einer Petition des im Herbst 1865 zu Oltenentstandenen Schweiz. Auswanderungsvereins um Aufstellung von schweizerischenAuswanderungsagenturen in Havre, New-York und Buenos Ayres und um Erlassungeines Bundesgesetzes über C-entralisation der Auswanderungsagenturen in der Schweizselbst vom 30. November 1866, welcher sich auch die schweizerische gemeinnützigeGesellschaft anschloss und welche eben in diesen Tagen bei der schweizerischenBundesversammlung anhängig ist, aber nach der Botschaft des Bundesrathes vom12. Juni 1867 zu urtheilen wohl keinen Erfolg haben wird.

Neuntes Kapitel.

Heirathsfrequeiiz. Heirathsalter. Heirathsdauer.Eheliche Fruchtbarkeit.

1. Die absolute Heirathsfrequenz ist das Verhältniss der in einem Jahre neugeschlossenen Ehen zur gleichzeitigen Bevölkerung. Sie kann, wenn auch öfterseine grosse Heirathsziffer Symptom schlimmer socialer Zustände ist, dort nämlich,wo die Zunahme der Heirathen eine Folge des Leichtsinnes ist, mit welchem neueFamilien ohne genügenden sichern Erwerb gegründet werden, wie z. B. in grossenStädten und in Fabrikgegenden, doch im Allgemeinen als Werthmesser der mate-riellen und vielleicht auch der sittlichen Zustände einer Bevölkerung gelten.Dernicht bloss von sinnlichen Gelüsten eingegebene Wunsch: Durch die Verbindungmit einem Wesen andern Geschlechts gewissermaassen sein physisches Sein zu er-gänzen; das dem Selbstständigkeitstriebe so natürliche Bedtirfniss, sich einen eigenenHerd zu gründen, und endlich das nicht weniger als selbstische Verlangen, sich in

3 ' Bdsbl. 1855 1 159. 1866 II 459. 1867 1 772. S. einen trefft. Aufsatz im AarauerSchweizerbolen vom 15. und 16. Juni 1867. 38 S. die mehrerwahnte Botschaft desBundesrathes vom 12. Juni 1867, Bdsbl. 1867 II 224 ff.