1. Kapitel.Die Herren Fachlente.
Die Frage billiger Perſonenfahrpreiſe darf nicht länger ausſchließlichvon Eiſenbahn⸗Fachleuten beurteilt und entſchieden werden. Sie gehtdas ganze Volk aufs nächſte an, und wehe dieſer Kulturfrage, wennſie, wie bisher, einzig den Eiſenbahn⸗Fachleuten anheimgegeben bliebe.
Meine Arbeit maßt ſich nicht an, in irgendeinem reintechniſchenPunkte etwas Neues beizubringen. Wo ich über techniſche Ein-richtungen ſpreche, folge ich gehorſam den beſten Fachautoritäten. Ichbekenne es: ich verſtehe nichts von der zweckmäßigſten Art der Schienen-befeſtigung, nichts von der ſicherſten Wagenkuppelung, nichts vonCompoundmaſchinen, Kondenſation, Steuerung, Wagenſchmiere u. ſ. w.Meine Arbeit enthält deshalb nicht eine einzige eigene Äußerung überalle jene wichtigen techniſchen Fragen, und da, wo ich genötigt binAußerungen zu wagen, habe ich ſie aus einem Fachbuch abgeſchrieben.
Indeſſen, um ein gewichtiges Wort über Perſonentarif undPerſonenbeförderung mitzuſprechen, braucht man kein Eiſenbahn-direktor geweſen zu ſein. In aller Beſcheidenheit, aber mit vollemNachdruck ſei es geſagt: ich halte mich für einen leidlichen„Fachmann“in den wenigen von mir zu behandelnden Fragen, und ich halte michdarin für einen beſſeren Fachmann als viele Direktoren von Eiſen-bahnen. Ich berufe mich für meine Fachmannſchaft nicht bloß aufdie 10— 12000 Kilometer Eiſenbahnfahrt, welche ich ſeit etwa 12bis 15 Jahren wohl alljährlich zurückgelegt habe. Manche Eiſenbahn-direktoren ſind weniger im Jahre gereiſt. Ich berufe mich beſondersauf den nicht ganz gleichgiltigen Umſtand, daſſ ich leider die Gewohn-heit habe, meine Reiſen aus eigener Taſche zu bezahlen, während dieHerren Eiſenbahndirektoren das niemals tun. Nichts aber ſtärkt ſo ſehrdie„Fachmannſchaft“ in der Frage: ob der jetzige Perſonentarif zuteuer ſei?— wie die rohe Tatſache, daſſ man ſein Billet ſelbſt be-zahlen muſſ. Nichts ferner macht Einen ſo fachmänniſch bewandert
den Einrichtungen der Eiſenbahnwagen, Bahnhöfe ꝛc., wie wennman nicht als Eiſenbahndirektor in der I. Klaſſe mit jeder erdenkbarenBequemlichkeit fährt, nicht auf den Bahnhöfen von dienſtbefliſſenen