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Beamten empfangen wird, ſondern in der III. und II. Klaſſe ohnejede beſondere Bevorzugung reiſen muſſ. Der Reiſende III. Klaſſeweiß beſſer Beſcheid um die Vorzüge und Mängel der III. Klaſſe,als ſelbſt der Eiſenbahnminiſter, ja gerade als der Eiſenbahnminiſter.Die Reiſenden der III. Klaſſe ſind hervorragende„Fachleute“ be-züglich der meiſten Fragen, welche den Verkehr in der III. Klaſſebetreffen.
Ich habe beileibe nichts gegen den wirklichen Fachmann. Nurſoll man Keinen entſcheidend mitſprechen laſſen über Dinge, in denener nur ſcheinbar, nur wegen ſeines äußerlichen Zuſammenhanges„Fachmann“ iſt. Ein Schneider verſteht ſicherlich vom Schnitt einesRockes mehr als ich; darüber jedoch, ob der von ihm gefertigte Rockmir zu eng iſt, mir die Achſelhöhle ſchmerzhaft einſchnürt, entſcheideich als Fachmann, nicht der Schneider. Und meinen Fachmann-Schuſter, der mir ein Paar zu enge Stiefel brächte, würde ich un-barmherzig einen Pfuſcher nennen.— So, jetzt, glaube ich, werdenLeſer und Verfaſſer ſich über das zu einer Arbeit wie dieſer erforderliche„Fachmanntum“ ſchon beſſer verſtändigen.
Der Beweis, daſſ gerade die Eiſenbahn⸗Fachleute wenig fähigſind, eine gründliche Reform des Perſonenverkehrs herbeizuführen, iſtin den 60 Jahren des Beſtehens der Perſonenbeförderung auf Eiſen-bahnen erbracht. Seit dem Tage des Jahres 1830, an welchemzuerſt zwiſchen Mancheſter und Liverpool eine Lokomotive Perſonenbeförderte, iſt bis zum Erſcheinen der 1. Auflage dieſes Buches der roheEntfernungstarif für den Perſonenverkehr in Kraft geblieben;nicht nur in England, ſondern allenthalben, wo es Eiſenbahnen gibt.Daſſ jener rohe Tarif beim Aufkommen der Eiſenbahnen gewähltwurde, iſt geſchichtlich erklärbar. Unerklärlich aber— es ſei denn,man halte den Schlendrian der Fachleute für eine genügende Er-klärung— iſt die Beibehaltung jenes rohen, ſinnloſen, kulturfeind-lichen, für die Eiſenbahnen wie für die Reiſeluſtigen ſchädlichen Tarifsbis in dieſes Jahrzehnt.
Die Sache iſt um ſo unerklärlicher, als nicht lange nach der Er-findung der Eiſenbahnen auf einem verwandten Gebiet: dem derBriefpoſt, die Sinnloſigkeit des Entfernungstarifs als ſolche erkannt,und dieſer Tarif ſelbſt beſeitigt wurde. Die Eiſenbahnfachleute ſindblind und verſtändnislos an dem wunderbar beweiskräftigen Beiſpieldes Einheitsportos vorübergegangen; oder ſie haben ſich, wenn gelegent-lich darauf hingewieſen wurde, mit ſo wohlweiſen, wohlfeilen Redens-arten beruhigt, wie z. B.: Briefbeförderung und Menſchenbeförderungſind zweierlei.
Daſſ eine Reform wie die des Perſonentarifs nicht von denEiſenbahn⸗Fachleuten ſondern von einigen Laien ausgegangen iſt, hatnichts verwunderliches. Selbſt die Fachleute für Tarifweſen in denEiſenbahndirektionen ſind, als ſolche, nicht in erſter Reihe zu einer