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Ich ſage wohl nichts beſonders Verwunderliches, wenn ich den Er-fahrungsſatz aufſtelle: die ſogenannten„Fachleute“, nämlich die Männerdes Schlendrians und der Schablone haben ſich nicht nur von jeherunfruchtbar für neue Erfindungen, neue Gedanken erwieſen, ſondernſie haben auch den meiſten neuen Erſindungen und Gedanken den er-bittertſten Widerſtand entgegengeſetzt. Der echt menſchliche Grund dieſerUnfruchtbarkeit und dieſes Widerſtandes bedarf keiner längeren Dar-legung. Selbſtgenügſamkeit, Bequemlichkeit, Trägheit, Befangenheitin der Routine, Gewöhnung des Gehirns, nach einer beſtimmtenRichtung zu denken,— man nenne es, wie man wlll, die Tatſacheſteht genügend feſt: Fachleute, d. h. nur die ſogenannten„Fachleute“,ſind neuerungsfeindlich.
Genau ſo, wie im Falle des„Zonentarifs“ die Eiſenbahnfach-leute, haben vor 50 Jahren die Poſtfachleute überlegen abweiſendgeurteilt, als der„Laie,“ der„Dilettant,“ der„kleine Schulmeiſter“Rowland Hill ſein Schriftchen erſcheinen ließ:„Portoreform.“
Die Geſchichte der Eiſenbahn iſt zugleich eine Geſchichte menſch-licher Kurzſichtigkeit. Sie an einigen Beiſpielen ins Gedächtnis rufen,heißt nicht, ſich in dem Gefühl der eigenen Ueberlegenheit brüſten. Ichund die meiſten Leſer wären, unter gleichen Umſtänden, bei gleicherErfahrungsloſigkeit, nicht weitſichtiger geweſen. Aber es iſt dennochgut, ſolche Beiſpiele anzuführen: ſie dienen zur Mahnung für die-jenigen, welche ohne nähere Prüfung jeden neuen Gedanken auf Grundbloßer„Fachmannſchaft“ abzuweiſen geneigt ſind.
Die erſte für den Verkehr auf Schienen beſtimmte Dampfmaſchine,die von Trevethick, blieb totes Eiſen, weil ihr eigener Erſfinder ſich„fachmänniſch“ einredete, ſie könnte ſich auf Steigungen nicht bewegennoch Laſten ziehen, und ſich damit abquälte, die Reibung zu vermehren,anſtatt kurzentſchloſſen mit ſeiner Maſchine einen„Gehverſuch“ aufSchienen mit Steigung zu machen. Wie Trevethick, als Ingenieurgewiſſ ein tüchtiger Fachmann, ſich einredete, die Maſchine gehe nicht,ſo reden ſich noch immer einige Tariffachleute ein, allerdings jetztnur noch die allerdümmſten, der Zonentarif„gehe nicht.“ Ohneverſucht zu ſein, wird er allerdings nicht„gehen.“
Der kgl. bayriſche Oberbergrat Ritter Joſef von Baader warein entſchiedener Feind der erſten deutſchen Eiſenbahn zwiſchen Nürn berg und Fürth . Er erklärte den Betrieb durch Lokomotiven für un-möglich und verlangte, daſſ man rechtzeitig für Pferde als Zugkraftſorge. Eine Königlich bayriſche Geſundheitsbehörde verlangte die Ein-zäunung der Schienenwege, um den Reiſenden und den am WegeStehenden den geſundheitsgefährlichen Anblick der ſchnellen Bewegungzu entziehen!
Ein Dr. A. Lips,„Techniker“, ſchrieb 1833 ein beſonderesBüchlein:„Die Unanwendbarkeit der engliſchen Eiſenbahnen auf