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Der Zonentarif : neubearbeitete Volksausgabe der "Eisenbahnreform" / von Eduard Engel
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9
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könnten die Schnelligkeit nicht vertragen; auch würdendie Wagen-achſen bei einer ſolchen Rotation geſchmolzen und ſelbſt die Eiſenbahnin einen glühenden Feuerſtrahl verwandelt werden.

Nicht viel geſcheiter dünkt mir der Ausſpruch des eiſenbahnfeindlichenKönigs Ernſt Auguſt von Hannover:Ich will keine Eiſenbahnenim Lande; ich will nicht, daſſ jeder Schuſter und Schneider ſo raſchreiſen kann wie ich.

Der bayriſche Miniſter Abel ſagte in den 30er Jahren:WennEngland ſich mit den Eiſenbahnen ruiniren will, ſo muſſ man es ge-währen laſſen; für uns Deutſche liegt kein Grund vor, jene Torheitnachzumachen.

Der preußiſche Generalpoſtmeiſter von Nagler, damals der größteVerkehrsfachmann Deutſchlands , nannte die Eiſenbahn noch im Jahre1838 einenfaulen Schwindel, als England und Belgien ſchonmehrere hundert Meilen des faulen Schwindels in Betrieb hatten.Er war entſchieden gegen eine Eiſenbahn zwiſchen Berlin und Potsdam ;ſei doch der Poſtwagen nach Potsdam nicht immer voll! Dabeiwar Herr von Nagler ſonſt gar nicht dumm. Er kam nur nichtauf den uns jetzt geläufigen Gedanken, daſſ neue Verkehrsmittel neuenVerkehr hervorlocken.

Auch Thiers war keiner der Dümmſten, und doch hat er in den30er Jahren ſchwungvolle Reden gegen die Eiſenbahnen gehaltenund u. a. folgende denkwürdige Ausſprüche getan:Wie ſollen denndie Eiſenbahnen die Konkurrenz mit den Meſſagerien beſtehen?!Wenn man mir die Gewiſſheit bieten könnte, daſſ man in Frankreich jährlich fünf Meilen Eiſenbahn bauen wird, ſo würde ich mich ſehrglücklich ſchätzen. Er hat ſich auch jahrelang gegen eine Eiſenbahnzwiſchen Paris und Verſailles geſträubt:Weil eine Eiſenbahn fährt,wird doch kein Reiſender mehr als bisher nach Verſailles fahren!

Frangois Arago,bewies, daſſ es zur Not möglich wäre, Perſonenauf der Eiſenbahn zu befördern, daſſ aber nimmermehr die Lokomotiv-Eiſenbahnen ſich dazu eigneten, große Laſten auf weite Entfernungenzu transportiren.

Als die Dampfſchiffe längſt auf engliſchen und amertkaniſchenGewäſſern im Gange waren,bewies ein Dr. Lardner im Quarterly Review wiſſenſchaftlich, daſſ es unmöglich ſei, mit einem Dampf-ſchiff über den Atlantiſchen Ozean zu fahren. Bald darauf ging dererſte Dampfer von Liverpool nach New⸗York .

Wie vorſichtig man jedoch mit dem Spott über ſolche verkehrtenUrteile ſein muſſ, lehrt das Beiſpiel Robert Stephenſons, des Er-finders der erſten gangbaren Lokomotive. Vor einer königlichen Kom-miſſion äußerte er ſich als Fachmann und wer wagt ſeine Fach-mannſchaft anzutaſten?, eine Verbilligung der Tarife werde aufweite Entfernungen hin den Verkehr nicht ſteigern. Seitdem iſt das

Gegenteil durch unzählige Thatſachen bewieſen, beſonders durch die