Buch 
Der Zonentarif : neubearbeitete Volksausgabe der "Eisenbahnreform" / von Eduard Engel
Entstehung
Seite
14
JPEG-Download
 

Frage: Sind Sie der Meinung, daſſ jede Ermäßigung des Tarifseinen Einnahmeverluſt zur Folge haben wird? Antwort: Sicher,das iſt meine Meinung. Eine geringe Ermäßigung würde ſich all-mählich wieder einbringen laſſen; aber eine Ermäßigung auf 1 Pennywürde ſich ſelbſt in 40 oder 50 Jahren nicht wieder durch die Ein-nahmen gut machen laſſen.

Daſſ das Pennyporto trotzdem im Parlament durchging, iſt einWunder zu nennen. Die öffentliche Meinung, namentlich das un-widerſtehliche Andrängen der durch Rowland Hills Gedanken be-geiſterten Kaufmannswelt übte einen ſo mächtigen Druck, daſſ aller-dings ſchon 3 Jahre nach der Veröffentlichung der erſten SchriftHills das Parlament mit 215 gegen 113 Stimmen beſchloſſ, fortanſolle die Berechnung des Portos nach der Entfernung ganz aufhören,und es ſolle ein einheitlicher Satz von 1 Penny für einfache Briefeerhoben werden.

Bei dieſem Satz iſt man bekanntlich in England bis heute ge-blieben, und die meiſten ziviliſirten Länder haben dieſen Satz nach-geahmt. Deutſchland leider erſt 27 Jahre ſpäter, Dank dem Schlendrianunſerer ehemaligen Poſtbureaukratie. Daſſ die engliſche Poſtverwaltungjetzt gute Geſchäfte macht, iſt bekannt. Selbſt wenn das aber nicht derFall wäre, ſo ließe ſich die Frage aufwerfen: ob die Poſt ein Inſtitutiſt, welches durchaus Ueberſchüſſe abwerfen, ja welches auch nur ſichſelbſt bezahlen muſſ?

Der Kernpunkt von Rowland Hills Syſtem liegt nicht in demeinen Penny, ſondern in dem Wegfall der Entfernung als desMaßſtabes für die Portoberechnung. Rowland Hill war dagegen,daſſ man ſofort nur einen Penny Porto erhebe! Er hat dringenddavor gewarnt; aber der durch ihn entfeſſelte Sturm der Reform gingüber ihn hinweg. Man darf dem Erfinder hiernach auch keine Vorwürfemachen wegen des anfänglich nicht ganz vollſtändigen Gelingens ſeinergroßartigen Erfindung. Man hatte ſie ihm in der Ausführung ver-dorben, und das, was 1840 in England zur Geltung gelangte, warnicht das unverfälſchte Syſtem Rowland Hills.

Dazu kam die Feindſeligkeit der Poſtbeamten gegen den Ein-dringling. Der Generalpoſtmeiſter verharrte bis zu ſeinem Ende ingiftigem Groll gegen Rowland Hill und deſſen Ideen. Hinderniſſeauf Hinderniſſe wurden noch während der Ausführung dem Erfinderin den Weg gelegt. Ja gerade jenem Generalpoſtmeiſter muſſ einTeil der Schuld beigemeſſen werden, daſſ ein falſcher Tarifſatz beieinem richtigen Tarifgrundſatz gewählt wurde, eben der eine Penny:der Generalpoſtmeiſter konnte ſich allerdings ſo gut wie jeder Andereausrechnen, daſſ bei einem zu niedrigen Satze ein Rückgang der Ein-nahmen ſelbſt für den Fall einer namhaften Steigerung des Verkehrsentſtehen, und dadurch Rowland Hills Erfindung ſelbſt kompromittirtwerden würde, was auch ſeine niederträchtige Abſicht war. Es ver-