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Der Zonentarif : neubearbeitete Volksausgabe der "Eisenbahnreform" / von Eduard Engel
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15
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ſteht ſich ganz von ſelbſt, daß jeder ſchlecht gewählte Einheitstarif zueinem ungeheuren Ausfall der Einnahmen führen kann. Wollte manheute das Porto für einen Brief auf 1 Pfg. herabſetzen, ſo zweifleich keinen Augenblick daran, daſſ die 29 Millionen Mark Ueberſchuſſ,die wir jetzt aus dem Poſtweſen haben, draufgehen, ja daſſ noch einungeheurer Zuſchuſſ erforderlich ſein würde.

Derplatte Einfall Rowland Hills beſtand alſo lediglich inder Entdeckung, daſſ es beim regelmäßigen Maſſentransport vongleichartigen Gegenſtänden, deren Gewicht im Verhältnis zu der not-wendigen toten Laſt ein geringes iſt, ſo gut wie gar nicht daraufankomme, wie weit jeder einzelne Gegenſtand befördert wird, ſonderndaſſ ein mäßiger Einheitsſatz vollkommen ausreicht, dieſelben undhöhere finanzielle Ergebniſſe zu erzielen, als hohe und nach der Ent-fernung abgeſtufte Sätze; daſſ aber namentlich eine ſo große Verein-fachung des inneren Betriebes durch einen Einheitsſatz herbeigeführtwird, daſſ ſelbſt ein kleiner Einnahme⸗Ausfall durch Erſparniſſe imBetrieb wieder ausgeglichen wird.

Das iſt der Kern des Hillſchen Gedankens. Er iſt zur Allein-herrſchaft im Briefpoſtweſen gediehen, weit über die Grenzen eineseinzelnen Landes hinaus. Heute beachtet man bezüglich des Portosſelbſt ſo ungeheure Unterſchiede nicht, wie die Entfernung von Aachen nach Brüſſel und die von Berlin nach Jokohama , und man befindetſich ſehr wohl dabei.

Der Gedanke Rowland Hills iſt aber zugleich der Bahnbrecherfür alle neuere Verkehrsreform gediehen, und es iſt eine lächerlicheAnmaßung, wenn irgend Jemand nach Hill ſich alsErfinder vonZonentarifen u. dergl. aufſpielen will, wie das Herr Perrot allein tut.

Wir haben ſchon einen Grund und zwar den wichtigſten geſehen,warum das Pennyporto in England erſt nach Jahren dieſelben Ueber-ſchüſſe wie früher lieferte: die Wahl eines zu niedrigen Porto-ſatzes, des einen Penny. Hätte man anſtatt 1 Penny lieber 1 ½oder 2 Pence gewählt, ſo wäre die Steigerung der Zahl der Briefenicht weſentlich geringer geworden(denn vordem koſteten die einfachenBriefe von 2 Pence bis zu 2 Schilling, durchſchnittlich 6 Pence),und es wären keine Ausfälle entſtanden. Uebrigens muſſ hervor-gehoben werden, daſſ keineswegs ein Defizit entſtanden iſt durch dieEinführung des Pennyportos in England, zu keiner Zeit! DasEinzige, was geſchah, war, daſſ die früheren ungeheuren Ueberſchüſſezurückgingen. Einen Ueberſchuſſ aber ergab das Pennyporto noch imerſten Jahre ſeiner Einführung, und dieſer Ueberſchuſſ iſt ſeitdemfortdauernd geſtiegen und hat jetzt längſt die Höhe von 1839 über-ſchritten.

Ein zweiter Grund des kleinen Rückganges war die Feindſeligkeitder Poſtverwaltung, welche mit der Ausführung des Syſtems betrautwar; ein ganz unnatürliches Verhältnis.