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Der Zonentarif : neubearbeitete Volksausgabe der "Eisenbahnreform" / von Eduard Engel
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die Zentraliſation beim Reichseiſenbahnſyſtem befürchtet, muſſ ſie auchbeim Poſtweſen befürchten. Außerdem iſt nicht geſagt, daß die Reichs-eiſenbahnen durchaus ſtraff zentraliſtiſch verwaltet werden müſſen.Zentraliſation, wo ſie unvermeidlich iſt; Dezentraliſation, wo ſie zweck-mäßig iſt.

5) Die örtlichen und provinzlichen Intereſſen, ſowie die wechſeln-den Konjunkturen des Weltmarktes können durch das Reich mindeſtensdieſelbe Berückſichtigung finden, wie durch Einzelſtaaten. Die örtlichenIntereſſen vollends, die ihre Befriedigung auch in unrentabeln Linienſuchen, können von Privatbahnen überhaupt nicht berückſichtigt werden.

Übrigens läſſt ſich ein ÜUbergangsſtadium für die Einführung desbilligen Einheitstarifs ſelbſt ohne Reichseiſenbahnen denken. Wenndie zur Durchführung dieſes Tarifs unentbehrlichen Beſtimmungenunweigerlich überall eingeführt werden, ſo mag es mit der Einzel-ſtaatsverwaltung der Eiſenbahnen ſo lange fortgehen, wie ſie denEinzelregirungen noch nützlich erſcheint. Sie werden ſich allerdingsbald überzeugen, daſſ dieſe Einzelherrlichkeit ſehr viel Geld koſtet, ohneetwas Beſonderes einzubringen. Würde man nur gewiſſe kleine Par-tikulareitelkeiten ſchonen: z. B. nach wie vor den Sachſen , Bayern ,Württembergern u. ſ. w. geſtatten, ihre Waggons mit dem Landes-wappen zu ſchmücken, die Billets gleichfalls mit einem Emblem derStaatshoheit zu verſehen, die Beamten durch die Landesregirungenanſtellen zu laſſen, ſo könnte nach wie vor eine königlich⸗ ächſiſche,bayriſche, württembergiſche u. ſ. w. Eiſenbahnverwaltung fortbeſtehen.Dagegen müſſten ſich ſämtliche Regirungen unbedingt unterwerfen denallgemeinen Beſtimmungen über die Bauart der Wagen, über die Ein-richtungen für den Verkauf und die Kontrole der Billets, über dieAnordnung der Räume auf den Bahnhöfen, kurz über alles, was zumallgemeinen Beſten unentbehrlich iſt und ſchon jetzt nach den Be-ſtimmungen der Reichsverfaſſung von der Reichsaufſichtsbehörde an-befohlen werden kann. Die Badenſer und Pfälzer müſſten z. B. aufdie lächerliche und unberechtigte Eigentümlichkeit verzichten, den Namender Stationen niemals da anzubringen, wo der Reiſende ihn ſucht,nämlich auf der Vorderſeite des Bahnhofes, ſondern auf den ſchmalenStirnſeiten, vor denen der Zug nicht hält. Die Bayern müſſtenebenſo wie die andern Deutſchen auch ſolchen Perſonen, welche nurein Billet III. Klaſſe bezahlen können, die Möglichkeit gewähren,ſchnell zu reiſen, ꝛc. ꝛc.

Welche Vorteile die Einheitlichkeit aller Verkehrsbeſtimmungenund Verkehrseinrichtungen für die Militärverwaltung habenwürde, das zu entwickeln iſt nicht meines Amtes, denn ich bin nichtMilitär. Aber von Militärs habe ich gehört, daſſ die militäriſcheSchlagfertigkeit durch die Einheitlichkeit der wichtigen WaffeEiſen­ bahn nur gewinnen könnte.

Auch in politiſcher Beziehung laſſen ſich viele Vorzüge des