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Reichseiſenbahnſyſtems vor der jetzigen Syſtemloſigkeit anführen, Vor-züge die nicht ganz gering anzuſchlagen ſind. Iſt es ein würdigerZuſtand, daſſ die Eiſenbahnverwaltungen der deutſchen Einzelſtaateneinander Konkurrenz machen, wie feindſelig geſinnte Nachbarn oderneidiſche Kaufleute? Iſt es ſchön, daſſ die elſäſſiſchen Bahnen denbadiſchen ſo viel Abbruch zu tun ſuchen wie nur möglich? daſſ diepreußiſchen Staatsbahnen den preußiſchen Privatbahnen, aber auch denſächſiſchen und heſſiſchen Eiſenbahnen ſo viel Hinderniſſe in den Weglegen, wie ſie irgend können?!—
Daſſ der Beſitz und die Verwaltung der Eiſenbahnen in denHänden des Reiches eine außerordentliche Stärkung des deutſcheuReichsgedankens zur Folge haben würde, darüber iſt eigentlich garkeine Diskuſſion zuläſſig. Im buchſtäblichſten Sinne des Worteswürden die Reichseiſenbahnen wie mit eiſernen Klammern alle TeileDeutſchlands zuſammenhalten, und dieſe Klammern würden ſelbſt imFalle eines großen nationalen Unglücks nicht brechen. Einmal einReichseiſenbahnſyſtem während weniger Jahre im Gange, und keinerMacht gelänge es mehr, der deutſchen Nation die abſcheuliche Zer-ſplitterung aufzuhalſen, die jetzt herrſcht.
Die Eiſenbahn iſt ein Monopolunternehmen. Werdas leugnet, muß zu ſophiſtiſchen Kunſtgriffen ſeine Zuflucht nehmen.Es liegt im Weſen der Eiſenbahn, daſſ ſie den Verkehr monopoliſirt.Eine Straße, welche dem Rade einen Weg von 40— 50 mm Breitevorſchreibt, von dem nicht abgewichen werden darf ohne die größteGefahr, auf dem nicht ausgewichen, nicht an einander vorübergefahrenwerden kann ohne ganz beſondere Verabredungen und Veranſtaltungen,die iſt eben ein Monopolweg. Eine Konkurrenz auf derSchiene gibt es nicht. Man hat ſie früher als das Ideal desEiſenbahnbetriebs anempfohlen; heute iſt es ganz ſtill davon geworden.Praktiſch zur Ausführung gekommen iſt dieſe famoſe„Konkurrenz aufder Schiene,“ in Deutſchland wenigſtens, niemals. Der Volkswohl-ſtand hat auch kein Intereſſe daran, daſſ ſie eingeführt werde. Eswürde, wenn die Konkurrenz als ſolche beſtehen bliebe, entweder einegroßartige Vergeudung von Kapital die Folge ſein, oder die„Kon-kurrenz“ würde dahin führen, wohin noch alle Konkurrenzunternehmungenim Eiſenbahnweſen geführt haben: zur Koalition, auf Deutſch :zur Verſchwörung der Unternehmer gegen das Publikum.Uebrigens wäre von einer Konkurrenz im volkswirtſchaftlichen Sinnedoch nur dann ernſtlich zu reden, wenn ſie unbegrenzt wäre. Obmir aber eine oder zwei Geſellſchaften für den Transport auf derSchiene ihre Bedingungen vorſchreiben, das beſſert meine Lage nichtweſentlich. Es gibt ja eine Konkurrenz auf einem ähnlichen Gebiet:auf dem der unterſeeiſchen Kabel. Weil hier die Konkurrenz eineſehr beſchränkte iſt wegen der Höhe der Koſten, haben ſich noch immernach einiger Zeit die beſtehenden Geſellſchaften über die Sätze, die ſie