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Wegfall von Expeditionsperſonal; außerdem bedeutende Erſparniſſefür Bureaukoſten, Inventar u. ſ. w. Die engliſchen Eiſenbahnenhaben den Unſinn des Abrechnungsweſens ſchon längſt eingeſehenund haben, um die Millionen nicht dutzendweiſe aus dem Fenſter zuwerfen, ein gemeinſames„Clearing house“ für die Eiſenbahn-abrechnung eingeführt. Dieſes Clearing house beſchäftigt zwar auchein großes Heer von teuer bezahlten Beamten, aber immerhin iſtes viel billiger als die Dutzende von einzelnen Abrechnungsbureaus,deren ſich Deutſchland jetzt erfreut. Natürlich wird auch jenes engliſcheGlearing house überflüſſig an dem Tage, an welchem die engliſchenEiſenbahnen unter eine Verwaltung kommen. Und dieſer Tag wirderſcheinen!
Ein ſtarkes Stück iſt es, daſſ jeder preußiſche Direktionsbezirkſein eigenes Abrechnungsbureau hat! Obgleich ſämtliche Einnahmenin denſelben Topf fließen, rechnen die einzelnen Direktionen mit ein-ander ſorgfältig ab, gleich als ob ſie ganz verſchiedenen Intereſſendienten! Die Fahrt eines Waggons, der von Königsberg nach Köln fährt, wird von 4 oder 5 königlich preußiſchen Eiſenbahndirektionenin 4 oder 5 Einnahmepoſitionen zerlegt. Für jedes Billet vonKönigsberg nach Köln muſſ an 4 oder 5 Direktionen der kilometriſcheBetrag verrechnet und ausgezahlt werden! Der ganze Vorgang er-innert lebhaft an jenen komiſchen Kauz in einer Winterfeldſchen Schnurre,welcher für ſeine verſchiedenen Bedürfniſſe verſchiedene Kaſſen einge-richtet hat, die mit einander in lebhafter Korreſpondenz ſtehen und aller-hand Leihgeſchäfte mit einander machen. Im Gebiet der preußiſchenStaatsbahnen werden auf dieſe Weiſe Millionen jährlich vollſtändignutzlos zum Fenſter hinausgeworfen.
Die Abſchaffung aller dieſer unnützen Ausgaben wäre die erſteſegensreiche Folge der Vereinheitlichung der deutſchen Eiſenbahnen.Wie hoch dieſe Erſparnis ſich belaufen würde, das ergibt ſich an-deutungsweiſe aus dem Briefe eines hervorragenden Fachmannes,der mir darüber ſchreibt: durch die Vereinheitlichung der ſämtlichendeutſchen Eiſenbahnen„würde die Arbeit der Übernahme der Wagenvon Direktion zu Direktion nur die Hälfte der jetzigen Koſten verur-ſachen. Bei einem Lohnſatz von 3 M. pro Tag und Mann würdedas pro Wagen eine Erſparnis von 1,5 Pf. für jede Übernahmeergeben“!
Eine zweite Folge wäre die Einheitlichkeit des Betriebsdienſtes.Das beſte bisher vorhandene Bremsſyſtem würde allgemein eingeführtwerden. Überhaupt würden alle Erfindungen, welche zur Sicherheitvon Perſonen und Gütern gemacht ſind, mit tunlicher Beſchleunigungauf ſämtlichen Linien eingeführt werden, und man brauchte nichtzu warten, bis es der einen oder andern Direktion gefällig wäre, ſichdie Erfindungen zu nutze zu machen, die zwar bedeutende Summenkoſten, aber noch bedeutendere Summen zu erſparen vermögen. Ein