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Der Zonentarif : neubearbeitete Volksausgabe der "Eisenbahnreform" / von Eduard Engel
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30
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ganda treiben, als durch ein gutes Beiſpiel der preußiſchen Staats-bahnverwaltung. Dem Leiter eines Eiſenbahnnetzes von über 23000 kmEiſenbahn erwachſen höhere Aufgaben als dem einer Eiſenbahn zwiſchenzwei benachbarten Städten wie etwa Berlin und Halle. Nur fort-ſetzen, was die früheren Privatverwaltungen eben auch geleiſtet haben,das iſt keine beſondere Kunſt, und dazu hätte es nicht der gewaltigenfinanziellen Umwälzung der Verſtaatlichung bedurft.

Es wäre vollkommen möglich, den billigen Zonentarif mit allem,was dazu gehört, für Preußen allein durchzuführen. Es bedarf dazukeinerlei zwiſchenſtaatlicher Abmachungen, das beweiſt der Vorgang inUngarn , Oeſterreich, Rumänien und Schweden . Es gehören dazukeine politiſchen Machenſchaften, keine zärtlichen Rückſichtnahme aufdie befreundeten Bundesſtaaten. Je größer ein Eiſenbahnnetz, je größerdie Intereſſengemeinſchaft, deſto eher läſſt ſich ein ſolches Syſtemdurchführen, mit um ſo geringeren Gefahren eines Ausfalls. 23000Kilometer ſind reichlich genug, um einen Verſuch im größten Maß-ſtabe zu machen. Die Reichseiſenbahnidee würde dadurch ſehr baldeinen ganz anderen Charakter annehmen. Anſtatt daſſ Preußen bit-tend und bettelnd bei den anderenGroßſtaaten Deutſchlands vor-ſtellig wird, ſie möchten doch ihre Eiſenbahnen an das Reich über-tragen, werden jene Großſtaaten, werden die Regirungen von Sachſen ,Baden , Württemberg , Bayern ſehr bald bittend an das Reich kommen,es möchte ihnen doch die Eiſenbahnen abnehmen, damit endlich derbillige Zonentarif und die damit verbundene ungeheure Vereinfachungund Erſparnis zur Durchführung gelangen. Und wenn jene Regirungendas nicht täten, ſo möchte ich einmal ſehen, wie lange ſie dem Anſturmihrer Bevölkerungen widerſtehen könnten, wenn dieſe darauf drängen,das billige Porto auf den Eiſenbahnen ebenſo durchzuführen, wie esPreußen durchgeführt hat.

Ob dann nochReichsbahnen nötig ſind, nachdem in gleich-förmiger Weiſe von den Einzelſtaaten alles das eingeführt wordeniſt, was zur Durchführung des Syſtems erforderlich iſt, weiß ich nicht.Die wahre Reichseiſenbahn beſteht in der Einheitlichkeitdes Betriebes und des Tarifs, nicht in der des Beſitzes.Ob die Verwaltung des badiſchen Netzes in Zukunftgroßherzoglich-badiſche Staatsbahnverwaltung heißt oderReichseiſenbahnverwaltungDirektionsbezirk Baden, das intereſſirt mich erſt in zweiter Reihe.Wenn nur Baden nicht verlangt, daſſ die übrigen deutſchen Verwal-tungen ſich in ein langweiliges und koſtſpieliges Abrechnungsweſenmit ihm einlaſſen, dieWagenmiete berechnen und dergl. Es läſſtſich ſehr wohl ein ähnliches Verhältnis denken, wie es jetzt im Welt-poſtverein beſteht: jedes Land unterwirft ſich allgemeinen Normativ-beſtimmungen, jedes Land behält, mit einigen Ausnahmen, die Summen,die es vereinnahmt, und nur für einige alsTranſitländer im