engeren Sinne anzuſehende Gebiete würde eine beſondere Entſchädigungfeſtgeſetzt werden können.
Das Ideal bleibt natürlich auch für mich die Reichseiſen-bahn nach dem Muſter der Reichspoſt. Die Reichspoſt widerlegtauch die oft gehörte Behauptung, die Reichseiſenbahnverwaltung würdeeinen ſolchen Umfang annehmen, daſſ ſie überhaupt nicht mehr ein-heitlich verwaltet werden könnte. Allerdings: wenn es mit denReichseiſenbahnen ähnlich zuginge wie jetzt mit den preußiſchen Staats-eiſenbahnen ꝛc., wenn der ganze vielſträhnige Weichſelzopf, der unsjetzt hinten baumelt, durch das Reich verewigt würde, dann allerdingshalte ich eine vernünftige Verwaltung des ganzen Netzes durch dasReich kaum für möglich. Aber daſſ eine Verwaltung ſelbſt im größtenMaßſtabe leicht möglich iſt, wenn ſie nur nach einheitlichen Grundſätzen gehandhabt wird, das lehren doch handgreiflich die Militärver-waltung und die Poſtverwaltung. Im Perſonenverkehr zumal ſinddie Bedingungen keineswegs ſo mannigfach, wie man glaubt. Behältman die 3 Klaſſen bei und führt 3 Zonen ein, ſo hat man anMannigfaltigkeit ſchon alles Mögliche erreicht. Im übrigen iſt dieExpedition des Perſonenverkehrs auf der Eiſenbahn viel weniger verwickelt als die des Briefverkehrs.
Dem Einwand, daſſ die Reichsregirung durch den Beſitz derEiſenbahnen und durch die Tarifirung den verhängnisvollſten Einfluſſauf Handel und Wandel der Nation üben könnte, ſtelle ich die ein-fache Frage entgegen: iſt es beſſer, Handel und Wandel der Nationdem Belieben einzelner Eiſenbahnverwaltungen auszuliefern, aufderen Anordnungen die deutſche Nation keinerlei beſtimmenden Ein-fluſſ hat; oder iſt es beſſer, ſie der Reichsregirung im Verein mitder Volksvertretung anzuvertrauen? Denn das brauche ich wohlnicht zu ſagen, daſſ nach Schaffung des Reichseiſenbahnſyſtems einneues Reichseiſenbahngeſetz erlaſſen werden muſſ unter Mitwirkung desReichstages, worin ſämtliche Tarife, mindeſtens aber die für diePerſonenbeförderung, geſetzlich feſtgelegt werden, genau ſo wie dasbeim Reichspoſtgeſetz der Fall geweſen iſt. Traut man der Reichs-regirung weniger Sinn für die Intereſſen der Nation zu als denEinzelſtaatsminiſtern oder gar den Direktoren der Privateiſenbahn-geſellſchaften, welche doch in erſter Reihe an hohe Dividendenund hohe Tantiémen zu denken haben? Und hat man weniger Ver-trauen zum Deutſchen Reichstag als zu der jämmerlichen Komödie,welche ſich nennt„Generalverſammlung “ einer Eiſenbahngeſellſchaft?!